Eines der herausragenden Themen in der holländischen Malerei des 17. Jahrhunderts ist die Zeit in ihren vielfältigen Erscheinungen. In einer Gesellschaft, in der Kaufleute den Ton angeben, ist die Zeit ein bemessenes Gut, mit dem man haushalten muss. Die modernen Uhren konnten als Taschenuhren schon Sekunden zählen. Während der Gottesdienste erinnerten die Prediger an die Vergänglichkeit des menschlichen Lebens.
Durch den ökonomischen Wohlstand des Lebens war Holland die erste Konsumgesellschaft Europas, wo es von heimischen Agrarprodukten bis zu exotischen Importen schier alles zu kaufen gab. Der Besitz von Luxusprodukten war ein Statussymbol. Der Reichtum barg jedoch die Gefahr der Verschwendung von Zeit, Geld und Gesundheit durch sinnliche Genüsse und ausschweifenden Lebenswandel. Zudem konnten gefährliche Krankheiten oder Epidemien dem Leben ein plötzliches Ende setzen.
Die Maler stellten den Verlauf der Zeit in vielfältigen Bildern mit zum Teil akribischer Genauigkeit dar, die in diesem Raum zu sehen sind: Der übertriebene Geiz eines Mannes, der die einzelnen Graupen in den Topf zählt und damit seine Zeit verschwendet, ein Schädel auf alten Büchern, ein Kleinkind, das seine ersten Schritte macht oder die Tages- und Jahreszeiten im Wandel des Lichtes – das sind Beispiele für die Wiederkehr und den Wandel der Zeit. Prachtvolle Blumen-, Jagd- und Mahlzeitenstillleben feiern die Schönheit und Sinnlichkeit des augenblicklichen Genusses, erinnern aber zugleich an dessen Vergänglichkeit.