Objektabbildung zoomen

Egbert van der Poel,  
Inneres einer Bauernschänke, um 1660

 

In einem kleinen Wirtshaus ist ein Mann an einem Holztisch mit dem Ausnehmen von frisch gefangenen Fischen beschäftigt, während die Wirtin einen Kupferkessel über einem Wasserfass reinigt. Im Vordergrund steht ein Holzbottich mit Fischen, daneben eine Tonschale auf einem Eimer, ebenfalls mit Fischen gefüllt. Ein Hund und eine Katze feinden sich über die Fische hinweg an und ziehen die belustigten Blicke der Wirtsleute auf sich. Im Hintergrund sitzen mehrere Gäste an roh gezimmerten Tischen bei Wein und Tabak. Ein Mann im roten Mantel steht mit dem Rücken zum Kamin und wärmt sich am brennenden Feuer. Über dem Kamin hängt ein kleines Landschaftsgemälde, ein Indiz für die Omnipräsenz von Gemälden in der niederländischen Gesellschaft des 17. Jahrhunderts. Ein besonderes Kennzeichen der Malerei Van der Poels ist seine Konzentration auf die Stilllebenmotive seiner Kompositionen. Mit Hilfe der Beleuchtung erzeugt er Effekte wie den glänzenden Schuppenpanzer der Fische oder das Schimmern einer Kupferkelle. Typisch ist der lockere Pinselduktus, obgleich der Maler die Gegenstände mit festen Konturen definiert. Der Typus des brauntonigen Bauerninterieurs mit einem prominenten Stilllebenarrangement im Vordergrund wurde seit den 1630er Jahren v. a. in Rotterdam durch die Gebrüder Herman (1609–85) und Cornelis Saftleven (1607–81) und Pieter de Bloot (1601/02–58) entwickelt.(1) Van der Poel schuf ab ca. 1645 solche Bauerninterieurs, die kleinere figürliche Szenen und Stilllebenmotive enthalten und seinem Talent zur Malerei „stillstehender Sachen“ entgegenkamen. Im Vergleich zu seinen früheren Bauerninterieurs mit Betonung der Raumtiefe und theatralischer Lichtregie wirkt Inneres einer Bauernschänke ruhiger und gleichmäßiger ausgeleuchtet. Die Kleidung des Mannes am Kamin spricht für eine Datierung in die 1650er oder 60er Jahre. Der Kopftypus der Wirtin findet sich in einer Zeichnung Van der Poels wieder.(2)

Jan Nicolaisen

(1) Vgl. R. James, Van „boerenhysen“ en „stilstaende dinghen“, in: Ausst.-Kat. Rotterdam 1994, S. 133–141.
(2) Egbert Lievensz. van der Poel, Waschfrau in einem Hof, Amsterdam, Sotheby’s, 5.11.2002, Nr. 64, RKD-Kunstwerknr. 60007.

Systematik Gemälde

Material/Technik Öl auf Leinwand

Maße 51,3 x 42,3 (Bildmaß)

Erwerbung 1903 Vermächtnis von Julius Otto Gottschald, Leipzig

Inventar-Nr. G 801