Objektabbildung zoomen

Ferdinand Bol,  
Herrenbildnis, 1652

 

Ein Mann in vornehmer schwarzer Kleidung und breitkrempigem Hut steht als Halbfigur hinter einer Brüstung und wendet sich, den rechten Arm bequem auf ein samtenes Kissen gestützt, dem Betrachter zu. Das rosige Inkarnat seines Gesichts wird durch den weißen Kragen, an dem zwei Troddeln an Bändern hängen, akzentuiert, die Hände sind durch weiße Hemdmanschetten betont. Der Mann trägt einen schwarzen Pelzmantel locker über dem linken Arm. Bol stilisiert die Hände zu kontrastreichen Ausdrucksträgern: Während die rechte Hand entspannt über der Kante der Brüstung herabhängt, ist die linke Hand energisch aufgestützt.(1) Haltung und Kleidung des Mannes strahlen sowohl lässige Eleganz als auch Durchsetzungskraft aus. Der Porträtmaler wahrt durch die Brüstung und den Verzicht auf direkten Blickkontakt zum Betrachter eine gewisse Distanz. Blankert (1982) hat darauf hingewiesen, dass Bol, anders als sein Lehrer Rembrandt, nicht an der Beziehung zwischen äußerer Erscheinung und inneren Emotionen interessiert war.(2) Für ihn stand die physische Erscheinung des Porträtierten im Vordergrund. Bol gibt Inkarnat, Kleidung und Accessoires mit meisterhafter Brillanz wieder. Zur Steigerung der Präsenz ragt das Kissen über die Brüstung und den als Trompe-l’Œil gemalten Holzrahmen in den Betrachterraum hinein. Von Rembrandt stammt Bols Vorliebe, die Dargestellten in Hut und Mantel wiederzugeben. Das Porträt bildet das Pendant zu einem 1652 datierten Damenbildnis.(3) Die etwas jüngere Ehefrau stützt sich wie ihr Ehemann auf ein Kissen auf einer Brüstung. Die modisch-elegante Erscheinung des wohlhabenden Herrn demonstriert den ab 1650 im Werk Bols greifbaren Einfluss Anton van Dycks (1599–1641). Das kurz nach dem Abschluss des Friedensvertrages von Münster (1648) und dem endgültigen Ende des Dreißigjährigen Krieges entstandene Bildnis scheint in idealtypischer Weise die unternehmerische Aufbruchsstimmung und Selbstsicherheit der bürgerlichen Elite in Amsterdam wiederzuspiegeln.

Jan Nicolaisen

(1) Bei genauer Betrachtung zeigt sich, dass die Adern dieser Hand durch den Druck hervortreten. Vgl. Ausst.-Kat. Leipzig 2024, Nr. 337.
(2) Vgl. Blankert 1982, S. 57.
(3) Öl auf Leinwand, 110 ×89 cm, 1652, Schottland, Privatbesitz, Blankert 1982, Nr. 150. Beide Gemälde wurden noch im Verst.-Kat. der Slg. Reynders in Brüssel 1821 als Pendants aufgeführt. Vgl. Blankert 1982, Ausst.-Kat. München/Leipzig 1998, S. 142.

Systematik Gemälde

Material/Technik Öl auf Leinwand

Maße 111 x 89,9 cm (Bildmaß)

Erwerbung 1996 Dauerleihgabe der Maximilian Speck von Sternburg Stiftung, Leipzig

Inventar-Nr. G 1620