Objektabbildung zoomen
 

Ein rastender Junge sitzt neben seinem Hund und Pferd auf einer Düne unter einem abgestorbenen Baum. Am linken Bildrand ist ein kleiner Ausschnitt des blauen Meeres zu sehen. Durch einen niedrigen Betrachterstandpunkt wirkt die Darstellung des Pferdes trotz des kleinen Formates groß. Das brauntonige Kolorit wird mit hellen Akzenten wie dem weißen Hundefell aufgelichtet. Das Bild gehört zu einer Gruppe früher Darstellungen einzelner Reiter mit Pferd von Wouwerman.(1) Ihnen voran ging eine Folge mit Radierungen von Pferden des 1639 aus Rom nach Haarlem zurückgekehrten Pieter van Laer (um 1599 nach 1642).(2) Pferde wurden ein bevorzugtes Motiv Wouwermans, der wahrscheinlich Naturstudien anfertigte und aus diesem Grund sein Vorbild Van Laer übertraf.(3) Typisch für das Frühwerk sind die diagonale Komposition, die sich noch aus der älteren Landschaftsmalerei ableitet, die brauntonigen Farben und der niedrige Blickwinkel. Stechow hat auf die zeitgleiche Verwendung des Motivs abgestorbener Weiden im Werk Jacob van Ruisdaels und Philips Wouwermans ab 1646 hingewiesen. Wouwerman hat außerordentliche Mühe auf die minutiöse Wiedergabe der brüchigen Rindenstruktur mit Astlöchern und knorpeligen Auswüchsen verwendet, sodass man fast von einem Baumporträt sprechen kann. Naturtreue „naar het leven“ und der Vanitasgedanke sind hier miteinander verknüpft. Der Maler schuf im gleichen Jahr 1646 ein großformatiges Schlachtengemälde und eine Darstellung feiernder Bauern vor einem Wirtshaus.(4) Das breite thematische Spektrum zeigt den jungen Künstler noch auf der Suche nach Sujets, die das Interesse der Käufer und Sammler fanden.(5) Wouwerman präsentiert sich in Die Rast gleichermaßen als Tier-, Genre- und Landschaftsmaler.

Jan Nicolaisen

(1) Vgl. Amsterdam, Rijksmuseum, Inv.-Nr. SK-A-1610; Montpellier, Musée Fabre, Inv.-Nr. 833-2-1; Madrid, Fundación Thyssen-Bornemisza, Inv.-Nr. 19567; Privatbesitz, vgl. Ausst.-Kat. The Hoogsteder Exhibition of Dutch Landscapes, Den Haag 1991, S. 134, Nr. 44.
(2) Vgl. jüngst Alice Anna Klaasen, in: Ausst.-Kat. Kassel/Den Haag 2009/2010, S. 72; vgl. hierzu bereits Ernst Brochhagen, Karel Dujardin, Diss. Köln 1958, S. 13, und Schumacher 2006, S. 78–81.
(3) Vgl. Q. Buvelot, in: Kat. Montpellier 1998, S. 252. Der Malprozess zeigt, dass die Zeichnung des Pferdes als erstes angelegt und unter Ausnutzung der Untermalung gemalt wurde. Der Himmel ist dann bis an die Kontur des Pferdes herangemalt worden.
(4) London, The National Gallery, Inv.-Nr. 6263; Manchester Art Gallery, Inv.-Nr. 1979.516. Vgl. Schumacher 2006, Bd. 1, S. 61.
(5) Überliefert ist für 1653 die Zusammenarbeit Wouwermans mit dem Amsterdamer Kunsthändler Pieter van Meldert. Vgl. Goosens 2001, S. 272f.; Schumacher 2006, S. 32f.

Systematik Gemälde

Material/Technik Öl auf Leinwand

Maße 32,4 x 36,2 (Bildmaß)

Erwerbung 1903 Vermächtnis von Julius Otto Gottschald, Leipzig

Inventar-Nr. G 825