Objektabbildung zoomen

Herman Saftleven,  
Flusslandschaft mit Gehöft, um 1632

 

Am rechten Ufer eines Flusses steht ein Bauernhaus mit eingefallenem Strohdach neben einigen Weiden. Ein Ruderkahn hat am Ufer angelegt. Eine arbeitende Bäuerin und zwei Männer im Gespräch sind vorne rechts zu sehen, weiter hinten zwei Angler. Die Farbigkeit ist fast ausschließlich auf olivgrüne, gelbbraune und graue Töne beschränkt. Das Bild folgt in Motivwahl, Kolorit und Komposition den frühen Flusslandschaften Jan van Goyens um 1630, zeigt aber in der Behandlung der Motive und der Malweise ein eigenständiges Temperament.(1) So sind die Kopfweiden unter Vernachlässigung der realistischen Wirkung als robuste und zugleich rhythmische Formen in das Bild gesetzt. Sie wirken viel zu wuchtig im Verhältnis zu den winzigen Anglern unter ihnen. Trotzdem sind Einzelformen wie das Bauernhaus und die Figuren sicher und schnell gezeichnet. Überhaupt ist die rasche Malweise auffällig, die sich auch im breiten Farbauftrag der gelblichen Lichthöhungen zeigt. Das Bild gehört zur kleinen Gruppe der frühesten Landschaften Saftlevens, die um 1632 entstanden sind.(2) Die von Schulz (1982) bemerkte Ähnlichkeit des Bauernhauses mit den malerischen Bauernhütten Abraham Bloemaerts (1564–1651) könnte ein Indiz für eine Entstehung unmittelbar nach der Übersiedlung Saftlevens nach Utrecht im Jahr 1632 sein. Bode (1900) nahm an, dass das Werk ein Pendant zu dem dieser Gruppe zugehörigen Bild Dünenhügel mit aufziehendem Sturm war, das sich ehemals in der Sammlung Alfred Thieme befand (heute Rotterdam, Museum Boijmans Van Beuningen, Inv.-Nr. 1769).(3)

Jan Nicolaisen

(1) Vgl. Jan van Goyen, Flusslandschaft, 1631 datiert, Glasgow, Kelvingrove Art Gallery and Museum, Beck 1973, Bd. 2, S. 214, Nr. 441.
(2) Rotterdam, Museum Boijmans Van Beuningen, Inv.-Nr. 1769; Hardenberg (Dänemark), Slg. Haugwitz-HardenbergReventlow; Musée des Beaux-Arts de Nancy; vgl. Ausst.-Kat. Rotterdam 1994, S. 98, 223, Nr. 45.
(3) Alfred Thieme verkaufte das Bild 1896 an das Museum in Rotterdam (vgl. seinen Brief an W. Bode vom 17.11.1897, in dem er auch von „Gottschalds Pendant“ spricht). Tatsächlich bestehen zwischen den beiden Bildern Korrespondenzen: Am rechten Rand des Rotterdamer Bildes sind kleine Schafe auf einer Landzunge gemalt, die korrespondierend am linken Rand des Leipziger Bildes erscheinen. Auch die Horizontlinie scheint auf der gleichen Höhe zu verlaufen.

Systematik Gemälde

Material/Technik Öl auf Holz

Maße 33,9 x 57,4 (Bildmaß)

Erwerbung 1903 Vermächtnis von Julius Otto Gottschald, Leipzig

Inventar-Nr. G 808