Objektabbildung zoomen

Willem van de Velde der Jüngere,  
Schiffe auf ruhiger See im Abendlicht, um 1685

 

Drei Frachtschiffe, sog. galjots, gehen bei fast windstiller See mit dem Sonnenuntergang vor Anker, die Männer holen die bereits schlaff herabhängenden Segel ein. Im Hintergrund erblickt man zwei Dreimaster, links ist die Küstenlinie angedeutet. Das goldgelbe Licht der untergehenden Sonne erhellt den Abendhimmel und wird auf der glatten Meeresfläche widergespiegelt. Die Takelage der Schiffe hebt sich grafisch vor dem Himmel ab und bildet einen reizvollen Kontrast zu den tonigen Segeln und changierenden Farben der See. Während Stechow (1966) ein relativ frühes Datum vorschlug („probably painted in the late fifties“), datierte Robinson (1990) „um 1685“ in das Spätwerk. Nach Cordingly malte van de Velde in England, d.h. seit 1672, zahlreiche Marinen mit Windstillen.(1) Der von Rosatönen eingefärbte Abendhimmel spricht für eine spätere Datierung. Im tonigen Kolorit der Segel und des Wassers klingt die Schulung van de Veldes bei dem Marinemaler Simon de Vlieger (1600/01–53) nach. Die Marinen mit windstiller See sind ein Bildtypus, der in zeitgenössischen Inventaren als stil zeetje bezeichnet wurde. Auf vielen Zeichnungen des Malers ist der Horizont mit dem Lineal gezogen.(2) Auch hier ist ein schnurgerader Horizont zu erkennen, der den Eindruck von Windstille bei glattem Wasserspiegel verstärkt. Max Speck zahlte mit 720 Talern einen vergleichsweise hohen Preis für das Gemälde, dessen vorromantische Stimmung in Kolorit und Lichtregie seinen Geschmack traf. Der Sammler besaß zwei Seestücke von Caspar David Friedrich (1774–1840), die an eben diese holländische Tradition der Marinemalerei anknüpfen.(3)

Jan Nicolaisen

(1) Vgl. Turner 1996, Bd. 32, S. 142.
(2) Vgl. Van de Velde Drawings. A Catalogue of Drawings in the National Maritime Museum made by the Elder and the Younger Willem van de Velde, Bd. II, Cambridge 1974, Nrn. 1324, 1348, 1352.
(3) Vgl. D. Sander, in: Ausst.-Kat. Leipzig/München 1998, S. 222.

Systematik Gemälde

Material/Technik Öl auf Leinwand

Maße 46,4 x 54,7 cm (Bildmaß)

Erwerbung 1996 Dauerleihgabe der Maximilian Speck von Sternburg Stiftung, Leipzig

Inventar-Nr. G 1573