Nicolaes Molenaer
Die Bleiche bei Haarlem; 1647
Museum der bildenden Künste Leipzig, Foto: InGestalt/Michael Ehritt, Lizenz: CC BY-NC-ND
Nicolaes Molenaer, …
Die Bleiche bei Haarlem, 1647
Vor den Stadtmauern Haarlems erblickt man eine Bleichwiese zwischen zwei Bachläufen, auf der zahlreiche weiße Leinenstücke zum Bleichen ausgelegt sind. Mehrere Männer sind mit dem Transport von Leinen in Weidenkörben beschäftigt, die auf Schubkarren oder auf dem Rücken befördert werden. Auf der Wiese sind einige Weidenkörbe abgestellt. Am rechten Bildrand erhebt sich eine Bockwindmühle auf dem Stadtwall über verwinkelten Gebäuden und Gebüsch. Im Hintergrund ist die Silhouette der Grote Kerk zu sehen. Molenaer reagiert unmittelbar auf die Neuerungen, die Jacob van Ruisdael in der zweiten Hälfte der 1640er Jahre in die Haarlemer Landschaftsmalerei eingeführt hatte: Die Naturdarstellung wirkt verlebendigt, der Himmel ist abwechslungsreich beleuchtet und markante Schatten erhöhen den Realitätsgrad der Darstellung (siehe den Schatten eines Windmühlenflügels auf dem hölzernen Aufbau). Auch die Malweise ist lebendig, gut erkennbar an der Modellierung der Wolken mit kraftvollen Pinselzügen. Der Künstler kombiniert Landschafts- und Genremalerei durch das für Haarlem bedeutsame Thema der Bleichindustrie. Ähnlich wie Reinier Nooms, genannt Zeeman (Ansicht der Zuiderkerk; Verlinkung?), präsentiert der Künstler die Stadtsilhouette im Hintergrund einer Darstellung von Arbeit und Gewerbe. Bereits um 1611 erschienen die Bleichen bei Haarlem in der radierten Folge Plaisante Plaetsen von Claes Jansz. Visscher d. J. (1586–1652). Die Bleichen mit dem malerischen Anblick der weißen Tücher auf grünen Wiesen und Dünensand stellten um die Mitte des 17. Jahrhunderts eine touristische Sehenswürdigkeit dar.(1) Sie besaßen große Bedeutung für die einheimische Textilproduktion. Durch den Einsatz von Buttermilch wurden Leinenstoffe aufgehellt. Moleanaer schuf mehrere Bilder zu diesem Thema. Auch Ruisdael malte Ansichten von Haarlem mit Bleichen, die früheste wohl jedoch erst gegen Ende der 1640er Jahre.(2)
Jan Nicolaisen
(1) Vgl. Slive 2001, S. 59.
(2) Ebd., S. 57–61, 70f., Kat.-Nr. 43.
Beteiligte Nicolaes Molenaer (um 1628/29 - 1676)
Titel Die Bleiche bei Haarlem
Entstehungszeit 1647
Systematik Gemälde
Material/Technik Öl auf Holz
Technik Ölmalerei
Signatur Bez. u. M.: KM [lig.] olenaer. 164[7]
Referenz Niederländische Malerei 171 (Bestandskatalog)
Creditline Museum der bildenden Künste Leipzig
Literatur Slg.-Kat. Niederländische Malerei 1430-1800. Museum der bildenden Künste Leipzig. Unter Mitarbeit von Rüdiger Beck bei den gemäldetechnologischen Untersuchungen, hrsg. von Maximilian Speck von Sternburg Stiftung im Museum der bildenden Künste Leipzig, Leipzig: Seemann, 2012, S. 208, Kat. Nr. 171 WVZ: Seymour Slive, Jacob van Ruisdael : a complete catalogue of his paintings, drawings and etchings, New Haven, Conn. [u.a.] : Yale University Press, 2001, S. 55 Laurens J. Bol, Holländische Maler des 17. Jahrhunderts, nahe den großen Meistern. Landschaften und Stilleben, München : Klinkhardt und Biermann, 1982, 2. Aufl., S. 204
Zitiervorschlag/Permalink Nicolaes Molenaer, Die Bleiche bei Haarlem, 1647, Öl auf Holz, Museum der bildenden Künste Leipzig, Copyright Abb. © Museum der bildenden Künste Leipzig, Foto: InGestalt/Michael Ehritt, Lizenz: CC BY-NC-ND, https://mdbk-digital.de/detail/collection/8b2cb4b1-ff78-4548-a5b6-8f2bd1a71afb
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