Objektabbildung zoomen

Nicolaes Molenaer,  
Die Bleiche bei Haarlem, 1647

 

Vor den Stadtmauern Haarlems erblickt man eine Bleichwiese zwischen zwei Bachläufen, auf der zahlreiche weiße Leinenstücke zum Bleichen ausgelegt sind. Mehrere Männer sind mit dem Transport von Leinen in Weidenkörben beschäftigt, die auf Schubkarren oder auf dem Rücken befördert werden. Auf der Wiese sind einige Weidenkörbe abgestellt. Am rechten Bildrand erhebt sich eine Bockwindmühle auf dem Stadtwall über verwinkelten Gebäuden und Gebüsch. Im Hintergrund ist die Silhouette der Grote Kerk zu sehen. Molenaer reagiert unmittelbar auf die Neuerungen, die Jacob van Ruisdael in der zweiten Hälfte der 1640er Jahre in die Haarlemer Landschaftsmalerei eingeführt hatte: Die Naturdarstellung wirkt verlebendigt, der Himmel ist abwechslungsreich beleuchtet und markante Schatten erhöhen den Realitätsgrad der Darstellung (siehe den Schatten eines Windmühlenflügels auf dem hölzernen Aufbau). Auch die Malweise ist lebendig, gut erkennbar an der Modellierung der Wolken mit kraftvollen Pinselzügen. Der Künstler kombiniert Landschafts- und Genremalerei durch das für Haarlem bedeutsame Thema der Bleichindustrie. Ähnlich wie Reinier Nooms, genannt Zeeman (Ansicht der Zuiderkerk; Verlinkung?), präsentiert der Künstler die Stadtsilhouette im Hintergrund einer Darstellung von Arbeit und Gewerbe. Bereits um 1611 erschienen die Bleichen bei Haarlem in der radierten Folge Plaisante Plaetsen von Claes Jansz. Visscher d. J. (1586–1652). Die Bleichen mit dem malerischen Anblick der weißen Tücher auf grünen Wiesen und Dünensand stellten um die Mitte des 17. Jahrhunderts eine touristische Sehenswürdigkeit dar.(1) Sie besaßen große Bedeutung für die einheimische Textilproduktion. Durch den Einsatz von Buttermilch wurden Leinenstoffe aufgehellt. Moleanaer schuf mehrere Bilder zu diesem Thema. Auch Ruisdael malte Ansichten von Haarlem mit Bleichen, die früheste wohl jedoch erst gegen Ende der 1640er Jahre.(2)

Jan Nicolaisen

(1) Vgl. Slive 2001, S. 59.
(2) Ebd., S. 57–61, 70f., Kat.-Nr. 43.

Systematik Gemälde

Material/Technik Öl auf Holz

Maße 39,5 x 55,9 cm (Bildmaß)

Erwerbung 1916 Erwerbung aus der Sammlung Alfred Thieme, Leipzig

Inventar-Nr. G 1042