Objektabbildung zoomen

Jan Weenix,  
Jagdstillleben mit Hund vor Landschaft, 1697

 

Ein erlegter Feldhase liegt am Rand eines Gebüsches auf einer Steinplatte, symmetrisch flankiert von einem toten Fasan und Rebhuhn sowie einem Finken auf dem Erdboden. Ein englischer Setter erscheint rechts im Gebüsch und scheucht zwei rote Gimpel auf. Hinter dem Hasen liegt ein Stellnetz. Im Hintergrund ist vor bergiger Kulisse eine Waldlandschaft mit Jägern und einer Hundemeute bei der Jagd angedeutet. Das Fell des Hasen ist mit großer Naturtreue wiedergegeben und durch die Lichtregie vor dem dunklen Grund hervorgehoben. Auch das Gefieder der Vögel ist genau erfasst und in warm leuchtenden Farben inszeniert. Der Realismus in der Wiedergabe der Tiere wurde bereits 1742, als sich das Gemälde in Braunschweig befand, als „sehr natürlich und überaus fein gemahlt“ beschrieben. Weenix hatte um 1680 italianisierende Genreszenen zugunsten von Jagdstillleben aufgegeben, die vermutlich einträglicher waren.(1) Schon sein Vater Jan Baptist Weenix schuf einige Jagdstillleben, eine Tradition, die Jan Weenix mit etwa 130 erhaltenen Jagdstillleben ausbaute.(2) Er entwickelte in den frühen 1680er Jahren ein Kompositionsschema, an dem er zukünftig festhielt: Der Hase wird mittig, fast immer an einem aufgehängten Hinterlauf präsentiert, um die Komposition zu dynamisieren. Durch das wiederkehrende Kompositionsschema konnte sich Weenix auf die feinmalerische Wiedergabe der Fell- und Gefiederoberflächen konzentrieren. Im gleichen Jahr 1697 entstand ein Jagdstillleben in Amsterdam (Rijksmuseum, Inv.-Nr. SK-A-464), das in der Motivwahl und der kontrastreichen Lichtregie eng verwandt ist. Die kontinuierliche Wiederverwendung der gleichen Motive illustriert ein weiteres, 1704 datiertes Jagdstillleben in Amsterdam (Rijksmuseum, Inv.-Nr. SK-A-463), auf dem der Hase und der Setter rechts wiederkehren. Die Jagd auf Hasen galt wegen der Schnelligkeit und Wendigkeit der Tiere als eine besondere Herausforderung. Besonders junge Hunde wurden hierfür eingesetzt, um ihre Laufkraft zu üben. Die Hasenjagd war ebenso wie die Hochwildjagd ein Privileg des Adels und derjenigen, die eine besondere Erlaubnis des obersten Waldaufsehers in den Niederlanden erhielten.(3) Die große Anzahl von Stillleben mit Hasen als Jagdtrophäen nach 1650 wurde jedoch nicht nur vom Adel, sondern auch von einem bürgerlichen Publikum erworben, das damit seine sozialen Ansprüche untermauerte: „The trophy piece, conspiciously displayed, lent to its owner a mark of aristocratic distinction.“(4) Die Provenienz aus der bedeutenden Sammlung der Herzöge von Braunschweig-Wolfenbüttel korrespondiert mit der künstlerischen Qualität des Gemäldes. Auch der später in den Adelsstand erhobene Sammler Max Speck brachte mit diesem kapitalen Erwerb seine gesellschaftlichen Ambitionen zum Ausdruck.

Jan Nicolaisen

(1) Sullivan 1984, S. 62.
(2) Junge mit totem Schwan und Hasen, 1652, München, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Alte Pinakothek; Erlegtes Reh, Amsterdam, Rijksmuseum, Inv.-Nr. SK-A-591.
(3) Sullivan 1984, S. 34.
(4) Zit. nach Sullivan 1984, S. 40. Durch den Erwerb von Landhäusern und Jagdpachten erhielten in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts auch reiche Bürger in begrenztem Maß die Möglichkeit, an dem Privileg der Nieder- und Hochwildjagd zu partizipieren.

Systematik Gemälde

Material/Technik Öl/Tempera auf Leinwand

Maße 88 x 121,4 cm (Bildmaß)

Erwerbung 1996 Dauerleihgabe der Maximilian Speck von Sternburg Stiftung, Leipzig

Inventar-Nr. G 1617