Objektabbildung zoomen

Adriaen Brouwer,  
Bauern beim Tricktrackspiel, um 1635

 

Zwei Männer stehen in einem Wirtshaus an einem Spieltisch, auf dem der hölzerne Kasten eines Tricktrackspiels und ein Stück Kreide liegen. Der jüngere der beiden grinst zufrieden über einen glücklichen Wurf, während der ältere sich mit geballter Faust (in der sich sein Würfel befindet?) und verbissenem Gesichtsausdruck über den Kasten beugt. Ein Mann mit aufgerissenem Mund und eine junge Frau, die einen Bierkrug in der Hand hält, verfolgen das Geschehen. Im Hintergrund rauchen zwei Männer am Kamin, vorne rechts steht eine grob gezimmerte Bank, auf der ein Zinnkrug und ein zerknülltes weißes Tuch arrangiert sind. Das Gemälde gehört zu einer Gruppe von Wirtshausbildern Brouwers aus den 1630er Jahren, in denen die Brauntonigkeit früherer Bilder zurücktritt zugunsten einer sorgfältigen Ausleuchtung der Hauptfiguren und ihrer Kleider in changierenden Farbtönen unter dem Einfluss von David Teniers d. J.(1) Zu dieser Gruppe zählen die formatähnlichen Gemälde Kartenspielende Bauern (33,5 × 43,2 cm) und Würfelnde Soldaten in der Schenke (35,8×47,3 cm) von Brouwer in München (Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Alte Pinakothek, Inv.-Nrn. 2108, 242). Die Farben sind in schnellem, fast strichelndem Pinselduktus aufgetragen, der dem spannungsvollen Geschehen einen lebendigen Ausdruck verleiht. Das Gemälde entstand in Antwerpen, dokumentiert durch die Schlagmarke (Kleeblatt) des Tafelmachers Michiel Claessens (tätig 1590–1637) und den Rest der Brandmarke der Stadt Antwerpen auf der Rückseite.(2) Wohl um 1636 fertigte David Teniers d. J. im Auftrag des Kunsthändlers van Immerseel eine Zeichnung nach dem Gemälde an.(3) Diese Zeichnung muss vor dem Originalbild entstanden sein, dessen drei Hauptfarben Braun, Gelb und Blau Teniers d. J. mit den Buchstaben „T“ (terra) für den Braunton, „g“ (geel) für das Gelb des Ärmels des jungen Mannes und „b“ (blauw) für das Türkis der Jacke des gebeugten Bauern markierte. Klinge datiert die Leipziger Tafel aufgrund der verhältnismäßig großen Personen und „einer gewissen Transparenz der oberen Schichten des Farbauftrags“ um 1634/35.(4) Das Motiv des Tricktrackspiels kehrt in der holländischen Genremalerei und Druckgrafik oft wieder, weil es ein populärer Zeitvertreib in Wirtshäusern und Bordellen war. Während das Spiel im häuslichen Bereich erlaubt war, wurden die Gefahren des öffentlichen Glücksspiels – Zeitverschwendung, Streit, Verlust des Vermögens – öffentlich angeprangert. Auf einer Radierung von Jan van de Velde II (1593–1641) werden Tricktrackspieler unter der Überschrift Verkehrter Eifer dargestellt, eine Inschrift warnt vor dem Verlust mühsam erarbeiteten Geldes (Hollstein 151). Auch in der Emblematik dient das Tricktrackspiel als Sinnbild für unnützen Umgang mit wertvoller Zeit und für Gotteslästerung.(5)

Jan Nicolaisen

(1) Vgl. K. Renger, in: Ausst.-Kat. München 1986, S. 51.
(2) Vgl. ebd., S. 123, Anm. 15 zu Brandmarken auf Werken Brouwers.
(3) Bleistift, 22,9× 33,7 cm, Braunschweig, Herzog Anton Ulrich-Museum, Kupferstichkabinett, Inv.-Nr. Z 907. Der Auftrag lautete eine „Drollerye naer Brouwer“ zu machen. Vgl. Klinge 1997, S. 108f., 235,
Nr. 6. Eine weitere Kopie London, Sotheby’s, 3.6.1981, Nr. 43.
(4) Ausst.-Kat. Karlsruhe 2005, Nr. 16.
(5) Vgl. Ausst.-Kat. Amsterdam 1997, S. 204–208.

Systematik Gemälde

Material/Technik Öl auf Eichenholz

Maße 29,7 x 38,6 cm (Bildmaß)

Erwerbung 1996 Dauerleihgabe der Maximilian Speck von Sternburg Stiftung, Leipzig

Inventar-Nr. G 1556