Objektabbildung zoomen

Jan van Goyen,  
Auf der Düne, 1642

 

Von einem Dünenhügel öffnet sich der Ausblick auf eine grüne Polderlandschaft, die von einem Fluss durchquert und im Hintergrund von einem Binnenmeer begrenzt wird. Einige Windmühlen, die vielleicht der Trockenlegung des Landes dienen, sind auf den Polderwiesen zu erkennen. Vorne rechts sitzen und stehen einige Menschen. Im Mittelgrund deuten verstreute Heuhaufen auf den Sommer hin. Zahlreiche Segelschiffe beleben die Flusslandschaft im Hintergrund. Am Horizont ist am linken Bildrand eine Stadtsilhouette auszumachen. Rund drei Viertel der Bildfläche wird vom bewölkten Himmel eingenommen. Der Künstler organisiert den Bildaufbau in streifigen Schichten aus Braun-, Gelb- und Grüntönen. Während Vorder- und Mittelgrund sehr flüssig und in den Motiven nur flüchtig andeutend wiedergegeben werden, differenziert van Goyen die Darstellung der fernen Polderlandschaft. Hierdurch wird der Blick des Betrachters in die Distanz geführt und ein Gefühl für die Weite der Landschaft vermittelt. Van Goyen schuf wenigstens 17 Fernsichten in Gemälden, die zwischen 1638 und 1647 datiert sind.(1) Beck (1972) bildet drei Zeichnungen van Goyens aus ähnlichem Blickwinkel von einer Düne ab.(2) Insbesondere eine Zeichnung in Edinburgh zeigt einen vergleichbaren Landschaftsausschnitt. Die Einteilung der Landschaft in Streifen, der breite Raum, den der monochrome Himmel einnimmt, und die schnelle Malweise sind auch dem Bemühen um eine Verkürzung des Herstellungsprozesses geschuldet. Die Darstellung des Fernblicks besitzt trotz der Reduktion der malerischen Mittel Überzeugungskraft, insbesondere durch die naturgetreue Wiedergabe des bewölkten Himmels.

Jan Nicolaisen

(1) Vgl. Beck 1973, Bd. 2, Nrn. 968–984.
(2) Kopenhagen, Statens Museum for Kunst, Inv.-Nr. 7966 (1651 datiert); Rotterdam, Museum Boijmans Van Beuningen, Inv.-Nr. H 233; Edinburgh, National Gallery, Inv.-Nr. D 1105.

Systematik Gemälde

Material/Technik Öl auf Holz

Maße 39,7 x 56 (Bildmaß)

Erwerbung 1886 Schenkung von Alfred Thieme, Leipzig

Inventar-Nr. G 590