Jan van Goyen
Seestück bei dem "Batsentoren"; 1650 - 1655
Museum der bildenden Künste Leipzig, Foto: InGestalt/Michael Ehritt, Lizenz: CC BY-NC-ND
Jan van Goyen, …
Seestück bei dem "Batsentoren", 1650 - 1655
Von einem Betrachterstandpunkt auf See erblickt man das graublaue, von weißen Schaumkronen bedeckte Meer, dessen Wellenkämme schräg zur Bildfläche in den Tiefenraum laufen. Rund vier Fünftel des Hochformats werden von dem bewölkten Himmel eingenommen, an dem sich Regenschauer und Sonnenstrahlen abwechseln. Ein Smalschip nähert sich in rascher Fahrt dem Vordergrund, wo ein Ruderboot und eine Tonne auf den Wellen schaukeln. Eine Turmruine ragt auf einer Landzunge im Hintergrund empor, der sogenannte „Batsentoren“ auf Südbeveland in der Provinz Zeeland, der der Schifffahrt als auffällige Landmarke diente.(1) Der weiß gekalkte Turm wird durch pastosen Farbauftrag und die Lichtregie betont.(2) Er setzt einen vertikalen Akzent gegen die gekrümmten Wellenkämme, schrägen Segel, den Einfall des Sonnenlichtes und die Wolkenformationen. Gegenüber den Naturkräften von Wind und Wasser wirkt die Turmruine wie ein Sinnbild der Vergeblichkeit menschlicher Tätigkeit.(3) Van Goyen betont den schmalen Landstreifen, auf dem sie steht, durch leicht hervorleuchtende, grüne Farben. Das Motiv der unruhigen See dramatisiert van Goyen im Unterschied zu Allaert van Everdingen nie zum Sturm. Es existieren zwar Darstellungen van Goyens von Gewittern auf See, diese sind aber in der Minderzahl gegenüber den Wiedergaben ruhiger oder nur stark windiger Marinen. Bereits Bredius (1890) und Bode (1900) priesen das Gemälde als spätes Meisterwerk unter den Bildern van Goyens in der Thiemeschen Sammlung.
Jan Nicolaisen
(1) Van Goyen malte den Turm mehrfach. Vgl. Beck 1973, Bd. 2, Nr. 181 (1646 datiert, Eindhoven, Stedelijk van AbbeMuseum, Inv.-Nr. NK 2452), Nr. 205 (um 1648, London, Sotheby’s, 5.7.1995, Nr. 3, RKD-Kunstwerknr. 3096).
(2) Zwei Zeichnungen des Künstlers in Amsterdam zeigen Turmruinen in ähnlicher Beleuchtung (Turmruine, 1638 datiert, Amsterdam, Rijksmuseum, Rijksprentenkabinet, Inv.-Nr. RP-T-1898-A-3973; Ruine mit Turm am Wasser, ebd., Inv.-Nr. RP-T-1897-A-3189).
(3) Das Interesse an Ruinen als malerischen Baudenkmälern der Vergangenheit kann man in dieser Zeit auf Werken zahlreicher holländischer Landschaftsmaler beobachten. Vgl. Ausst.-Kat. Poughkeepsie/Sarasota/Louisville 2005/06.
Beteiligte Jan van Goyen (1596 - 1656)
Titel Seestück bei dem "Batsentoren"
Entstehungszeit 1650 - 1655
Systematik Gemälde
Material/Technik Öl auf Holz
Technik Ölmalerei
Signatur Monogr. auf dem Kahn r.: VG
Referenz Niederländische Malerei 110 (Bestandskatalog)
Creditline Museum der bildenden Künste Leipzig
Literatur Slg.-Kat. Niederländische Malerei 1430-1800. Museum der bildenden Künste Leipzig. Unter Mitarbeit von Rüdiger Beck bei den gemäldetechnologischen Untersuchungen, hrsg. von Maximilian Speck von Sternburg Stiftung im Museum der bildenden Künste Leipzig, Leipzig: Seemann, 2012, S. 126, Kat. Nr. 110 Ausst.-Kat. Susan Donahue Kuretsky [u. a.], Time and transformation in Seventeenth-Century Dutch art, Poughkeepsie, NY : Vassar College, 2005. WVZ Hans-Ulrich Beck, Jan van Goyen 1596-1656. Ein Oeuvreverzeichnis in zwei Bänden. II. Katalog der Gemälde, 2, Amsterdam : Van Gendt & Co, 1973, ., S. 95, Kat. Nr. 197
Zitiervorschlag/Permalink Jan van Goyen, Seestück bei dem "Batsentoren", 1650 - 1655, Öl auf Holz, Museum der bildenden Künste Leipzig, Copyright Abb. © Museum der bildenden Künste Leipzig, Foto: InGestalt/Michael Ehritt, Lizenz: CC BY-NC-ND, https://mdbk-digital.de/detail/collection/724d1e78-6af8-4375-9e5a-5385e547c176
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