Objektabbildung zoomen

Jan van Goyen,  
Flusslandschaft mit Windmühle auf Rundbastion, 1644

 

Unterhalb einer Rundbastion mit Turm und Windmühle fließt ein breiter Fluss, der den gesamten Vordergrund einnimmt und sich in der linken Bildhälfte bis zum Horizont erstreckt. Rechts wäscht eine Frau am Fluss ihre Wäsche, am linken Bildrand legt ein Fischer, der in einem Ruderboot steht, sein Netz aus. Die rötlichen Wolkenpartien suggerieren einen abendlichen Sonnenuntergang und somit die Tageszeit, die mit dem Abflauen des Windes korrespondiert. Die Flusslandschaft strahlt eine Atmosphäre von Ruhe und Frieden aus. Das Kompositionsschema der Flusslandschaft mit Bastion wiederholte Jan van Goyen in den 1640er Jahren viele Male.(1) Wie auf dem Gemälde An der Flussmündung (Verlinkung?) sind die bunten Lokalfarben auf die Kleidung der Fischer konzentriert. Mit dem Pinselstil ritzt van Goyen einzelne Motive wie die Windmühlenflügel oder die Takelage der Segelboote in die feuchte Farbe. Die Befestigungsanlagen, die von Gräsern und Gebüsch überwuchert sind, wirken vernachlässigt. Sie dürften den zeitgenössischen Betrachter an die jüngeren kriegerischen Auseinandersetzungen der Holländer gegen Spanien erinnert haben. Historische Bauwerke, die dem zeitlichen Verfall preisgegeben sind, gehören zum wiederkehrenden Motivrepertoire van Goyens (vgl. Seestück bei dem „Batsentoren“; Verlinkung? ). Sie entstammen der Tradition der Ruinenlandschaft, ein Sujet, das insbesondere in der frühen holländischen Landschaftsgrafik des 17. Jahrhunderts beliebt und z.B. durch Jan van de Velde II (1593–1641) in mehreren Folgen von Radierungen bereits 1615 und 1616 behandelt worden war.(2)

Jan Nicolaisen

(1) Vgl. Beck 1973, Bd. 2, S. 294–318; zur ökonomischen Wiederverwendung von Kompositionen vgl. Volhard 1927, S. 118, 179.
(2) 1615 (18 Blätter mit Ruinen in der Landschaft, Hollstein, Bd. 34, 1989, Nrn. 178–195) und 1616 (Sechs Ansichten von Burgen in Holland, Hollstein 172–177; 20 Blätter mit Ruinen in Landschaften, Hollstein 196–215). Auf einigen dieser Radierungen stehen die Ruinen in ähnlicher idyllischer Monumentalität an Flussufern (vgl. Hollstein 197, 206, 208, 212, 213, 218, 222).

Systematik Gemälde

Material/Technik Öl auf Holz

Maße 46 x 70,8 cm (Bildmaß)

Erwerbung 1916 Erwerbung aus der Sammlung Alfred Thieme, Leipzig

Inventar-Nr. G 1011