Objektabbildung zoomen

Ludolf Backhuysen,  
Bewegte See in abendlicher Beleuchtung, um 1665

 

Von einem niedrigen Betrachterstandpunkt aus blickt man auf eine von Wellenkämmen durchpflügte See, auf der ein Frachtschiff und ein Fischerboot im hellen Sonnenschein segeln, während ein Kriegsschiff mit eingeholten Segeln fast parallel zum Horizont vor Anker liegt. Im Hintergrund rechts liegt eine Fleute vor Anker. Die Sonne akzentuiert die Farben der Segel und der Wellen, deren grünliche Färbung in der rechten Bildhälfte auf ein nahes Ufer hindeutet. Vorne kämpfen zwei Fischer in ihrem kleinen Boot mit dem hohen Wellengang. Die Rückenfigur eines Fischers wird durch die Wellen als markante Silhouette über den Horizont gehoben. Die farbige Lichtstimmung des Bildes ist durch rötliche Abendwolken in Verbindung mit grauen Unwetterwolken dramatisch. Bereits Kreuchauf (1768) hob das narrative Element der Wetterschilderung hervor: „Die langen Streifen am gerötheten Himmel und die heraufgewälzte trübe Wolke verkündigen den nahen Sturm.“ Speck (1826) spricht von einer „Zusammenstellung voll Feuer“. Gegenüber dem Frühwerk von 1658 (Schiffe bei aufziehendem Sturm; Verlinkung?) ist die Malweise der Wellen weniger kleinteilig, sondern summarisch und kompakt, sodass die Oberfläche der Wellen an Gebirgsformationen erinnert. Dieser Pinselduktus findet sich wieder auf dem 1677 datierten Bild Die Retourflotte des G.D. Strandwijck in Paris.(1) Der rötlich verfärbte Himmel wurde im letzten Viertel des 17. Jahrhunderts ein beliebtes, dekoratives Motiv in der holländischen Malerei.(2) De Beer datiert das Bild daher wohl zu Recht gegen das Ende der 1670er Jahre bis spätestens 1680. Kriegsschiffe hatten mehrere Hundert Matrosen und Soldaten an Bord, die für das Laden und Feuern der Kanonen zuständig waren. Seeschlachten brachten enorme Verluste an Menschenleben mit sich, z.B. wurden allein am 13. Juni 1665 im Seekrieg gegen England 4000 holländische Seeleute getötet oder verwundet.(3) Die ständige Aufrüstung und Modernisierung seiner Kriegsflotten, die Holland zur europäischen Seemacht des 17. Jahrhunderts machte, war auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Ein Schiff konnte mehr als 60 Besitzern gehören.(4) Backhuysen zeigt in dem Nebeneinander der als dunkle Silhouetten dargestellten Kriegs- und Handelsschiffe den notwendigen militärischen Schutz des holländischen Handels zur See. Der patriotische Aspekt wird, wie auf vielen Gemälden Backhuysens, durch mehrere holländische Flaggen verdeutlicht, die auf dem Kriegsschiff im Wind flattern. Der Künstler variierte die Komposition mit dem Kriegsschiff und abgewandelter Bootsstaffage in einem 1694 datierten Gemälde.(5)

Jan Nicolaisen

(1) Paris, Musée du Louvre, Inv.-Nr. 987 (HdG 252).
(2) Vgl. das 1679 datierte Bild Der neue Fischmarkt in Amsterdam von Emanuel de Witte (Kat.-Nr. 373).
(3) Vgl. C.A. Davids, De Zeeman, in: H.M. Beliën (u. a.) 1995, S. 112.
(4) Vgl. North 2001, S. 31.
(5) Amsterdam, Rijksmuseum, Inv.-Nr. A 11. Vgl. Ausst.-Kat. Amsterdam/Emden 1985, S. 59, Nr. S 32.

Systematik Gemälde

Material/Technik Öl auf Leinwand

Maße 52,5 x 67,5 cm (Bildmaß)

Erwerbung 1996 Dauerleihgabe der Maximilian Speck von Sternburg Stiftung, Leipzig

Inventar-Nr. G 1587