Objektabbildung zoomen

Jan Steen,  
Streitende Bauern im Wirtshaus, um 1670

 

Um einen Wirtshaustisch sind mehrere Männer im Moment des Zornesausbruchs eines Kartenspielers gruppiert, der mit gezücktem Messer aufspringt, während sein stehender Gegner sich mit einem Bierkrug in der Hand über ihn lustig macht. Auf dem Boden liegen Spielkarten und das Anschreibebrett herum, vom Künstler dramatisch beleuchtet. Die Grimasse des Verlierers ist karikiert, ebenso wie das schadenfrohe Grinsen seiner Tischnachbarn. Max Speck widmete dem Bild 1826 eine längere einfühlsame Beschreibung, die zeigt, wie die erzählende Malerei Steens den Sammler ansprach. Jan Steen greift den altbewährten Bildtypus des Bauernstreits im Wirtshaus von Adriaen Brouwer und Adriaen van Ostade, der in Haarlem seit den 1620er Jahren eingeführt war (vgl. Adriaen Brouwer, Kat.- Nr. 49), in vielen Bildern v. a. der 1660er Jahre auf. Gegenüber seinen Vorläufern verstärkt er das komische Moment, nicht zuletzt durch die stets breit grinsenden Selbstbildnisse, die er einfügt, so auch in dem pfeiferauchenden dicken Mann am Tisch.(1) Stilistisch vergleichbar ist das 1664 datierte Bild Schlägerei in einer Schenke Steens in München (Bayerische Staatsgemäldesammlungen München, Alte Pinakothek, Inv.-Nr. 276), das die Karten und Schiefertafel am Boden, den Kamin und ein ähnlich kühles, grau getöntes Interieur zeigt, in dem eine blaue Mütze und andere Kostümfarben Akzente setzen.(2) Braun datiert das Bild „um 1668/72“, zwei Kopien sind nachweisbar.(3)

Jan Nicolaisen

(1) Diese Selbstbildnisse sind der Grund, warum auch Max Speck (1826), in Anlehnung an die ältere Kunstliteratur glaubt, dass Jan Steen so lebte wie die Figuren auf seinen Bildern agieren (in den Worten Specks: der Künstler „lebte liederlich, malte aber vortreffliche Gemälde“).
(2) Auf dem Münchener Bild werden die Folgen der Trunksucht durch eine am Kamin angebrachte Karikatur illustriert. Dort steht zu lesen: „den dronck, die alle reden verslijnt/gelijck veel outereen schrijven“ (der Trunk, der jede Vernunft verschlingt, wie viele Autoren schreiben). Darunter ist ein Schwein zu sehen, das die Gier, Maßlosigkeit und die triebhafte Seite des Verhaltens anprangert. Vgl. Kat. München 2006, S. 202 (M. Dekiert).
(3) Öl auf Holz, 41,5 × 53 cm, ehem. Slg. Graf Potocki, Luzern, Galerie Fischer, Juni 1951; weitere Kopie 1938 in niederländischem Besitz, 1973 Kunsthandel Alan Jacobs, London. Angaben nach Braun 1980, Nr. 323.

Systematik Gemälde

Material/Technik Öl auf Eichenholz

Maße 33,5 x 44,4 cm (Bildmaß)

Erwerbung 1996 Dauerleihgabe der Maximilian Speck von Sternburg Stiftung, Leipzig

Inventar-Nr. G 1564