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Sammlung: Tübke Stiftung und Tübke-Bestand

Werner Tübke (1929-2004) gehört zu den bedeutendsten, aber auch umstrittensten deutschen Malern der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts. Als extravaganter Staatsmaler wie auch als intellektueller Opportunist und meisterlicher Handwerker wurde und wird er bis heute von seinen Kritikern wie auch von seinen Bewunderern gleichermaßen geschmäht wie gefeiert.
Sein Gesamtwerk eröffnet einen immensen bildkünstlerischen Kosmos, der in seiner Vielschichtigkeit und Komplexität die Ambivalenz von gesellschaftlichen Realitäten und Erwartungen und dem eigenen Ringen um (künstlerische) Vollkommenheit illustriert. Er schuf sich ein artifizielles und historisiertes Welttheater im gezielten Rückgriff auf das bildkünstlerische Vokabular der christlich-abendländischen Tradition im altmeisterlichen Malstil.

Das MdbK bewahrt seit der Übernahme des Bestandes der Tübke Stiftung 2022 mit mehr als 300 Werken nahezu den gesamten künstlerischen Nachlass des Künstlers ergänzt um den eigenen Bestand von 100 Arbeiten.

Werner Tübkes Gesamtwerk umfasst ca. 6.000 Zeichnungen, ca. 500 Aquarelle, 350 Gemälde und mehr als 200 druckgrafische Blätter.

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Künstlerische Anfänge und Netzwerke

Tübke begann seine künstlerische Laufbahn 1948 in Leipzig an der Hochschule für Grafik und Buchkunst bei Ernst Hassebrauk und Elisabeth Voigt und schloss ein Studium der Kunsterziehung und Psychologie an der Universität in Greifswald an.
Der Ostseestrand als Motiv wird ihn nachhaltig prägen und bereits früh entdeckte er seine Liebe zum Detail und zur altmeisterlichen Kunst der Renaissance.

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Selbstdarstellung und Porträtkunst

Tübke schuf eindrucksvolle Selbstbildnisse und Porträts, die einen faszinierenden Zugang zu seinem Werk und künstlerischen Kosmos bieten. Sie spiegeln seine allgegenwärtige Auseinandersetzung mit möglichen Identifikationen und Maskeraden. Klare, präzise Charakterstudien in Verbindung mit einer vielschichtigen Symbolsprache ermöglichen viel Raum für Interpretationen.

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Tübke und Italien

Seit den 1950er-Jahren
studierte Tübke die Kompositionen und Maltechniken der italienischen Renaissance-Künstler, besonders die Werke des Manierismus des 16. Jahrhunderts, die seine Kunst nachhaltig prägten. Mit Detailgenauigkeit und Symbolik verband Tübke die Widersprüche des Manierismus in seinen, teils idealisierten, Italienbildern. Er schuf eine Ambivalenz, die die Spannung zwischen Ideal und Realität widerspiegelt.

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Weitere Themen und Motive

Tübke verbindet Geschichte und Surrealität, erforscht existenzielle Fragen und reichert seine Werke oft mit religiösen und mythologischen Hinweisen an. Symbolische Motive stützen komplexe Themen. Dichte Kompositionen verdeutlichen gesellschaftliche und politische Konflikte und fordern die Betrachtenden auf, Elemente von Realität und Fantasie zu entschlüsseln und menschliche Abgründe sowie Ideale zu erkennen.

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Auftragskunst und Monumentalwerke

In der DDR war Tübke für seine Auftragskunst bekannt, die oft monumental angelegt und für öffentliche Räume gedacht war. Trotz der politischen Rahmenbedingungen gelang es ihm, durch Symbolik und Detailreichtum eine tiefere, oft ambivalente Aussage zu schaffen, die über einfache Propaganda hinausging.

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Techniken und Arbeitsprozesse

Tübke nutzte traditionelle und altmeisterliche Maltechniken und kombinierte sie mit Präzision und symbolhafter Ausdruckskraft. Er vereinte Handwerkskunst mit seiner visionären Bildsprache, um komplexe Themen zu visualisieren. Seine detailreichen Werke entstanden in aufwendigen Prozessen, denen oft viele Skizzen und Studien vorausgingen. Diese intensive Vorarbeit ermöglichte eine eindrucksvolle narrative Dichte in seinen Bildern.