Objektabbildung zoomen

Werner Tübke,  
Rissersee mit Wachsenstein, 1945

 

„Rissersee mit Wachsenstein“ aus dem Jahr 1945 zeigt eine idyllische Landschaft, die eine harmonische Symbiose aus Wasser, üppigem Wald und Gebirge darstellt.

Im Vordergrund des Gemäldes spiegelt sich der ruhige See, dessen Wasseroberfläche die umgebende Natur reflektiert. Das majestätische Bergpanorama im Hintergrund, der Wachsenstein, dominiert die Szenerie und verleiht dem Bild eine monumentale Präsenz. Die Farben sind in sanften Erdtönen gehalten, wodurch eine friedliche und einladende Stimmung erzeugt wird. Der naturalistische Stil und die detaillierte Wiedergabe der Natur stehen in starkem Kontrast zu Tübkes späteren surrealen und symbolträchtigen Arbeiten. Dieses frühe Werk spiegelt seine Ausbildung und Verwurzelung in der klassischen Maltradition wider, die stark von der Romantik und dem Realismus beeinflusst war.
Besonders die Berge im Hintergrund und die friedliche Atmosphäre der Szene erinnern an die Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts.

Biografisch befand sich Tübke 1945 an einem Wendepunkt. Als junger Mann, gerade 16 Jahre alt, lebte er in einer Zeit großer Umbrüche. Die Nachkriegszeit brachte politische und persönliche Herausforderungen mit sich. Die Idylle der dargestellten Natur wirkt wie eine Flucht vor der harten Realität – als Rückzugsort in einer Zeit, die von Zerstörung geprägt war. „Rissersee mit Wachsenstein“ ist somit nicht nur ein Kunstwerk, sondern auch ein Zeugnis der inneren Auseinandersetzung eines jungen Künstlers mit seiner Umwelt und der Sehnsucht nach Stabilität und Frieden in einer turbulenten Zeit. 1945/46 wurde Tübke fälschlicherweise verdächtigt, einen sowjetischen Offizier erschossen zu haben und es folgte eine Inhaftierung im Militärgefängnis Magdeburg.

Jasmin Lorenz

Systematik Gemälde

Material/Technik Ölmalerei auf Pappe

Maße 71 x 60 x 6 cm (Rahmenmaß) 52 x 41,5 cm (Bildmaß)

Erwerbung 2022 Dauerleihgabe der Tübke Stiftung Leipzig

Inventar-Nr. L 2022-0004