Objektabbildung zoomen

Doris Ziegler,  
Frauen in der Spinnerei, 1978/1979

 

Die Stadtansichten und Figurenbilder von Doris Ziegler sind von ihrem langjährigen Wohnort Leipzig durchdrungen, von dessen spezifischen Passagen, Straßenzügen und Industrieanlagen, aber auch von den dort lebenden und arbeitenden Menschen. Beides vereint zeigt sich im großformatigen Gemälde „Frauen in der Spinnerei“ (1978/79). Es entstand, als sich Ziegler für mehrere Wochen in den Leipziger VEB Buntgarnwerken (Leipziger Baumwollspinnerei Aktiengesellschaft) aufhielt, um die dort tätigen Arbeiterinnen und ihren Arbeitsalltag festzuhalten.
„Frauen in der Spinnerei“ zeigt die Künstlerin zusammen mit einer Gruppe von fünf, mit Kittel und Haarschutz bekleideten Arbeiterinnen auf einem Gehweg entlang des Plagwitzer Kanals die Weiße Elster. Am gegenüberliegenden Ufer ragt die charakteristische, mit weißem Stein rhythmisch gegliederte Backsteinfassade der Buntgarnwerke empor. Auf diese in der Leipziger Nonnenstraße gelegene Industrieanlage verweist ein Zettel, der mit drei darauf drapierten Garnrollen auf dem Gehweg am rechten unteren Bildrand platziert ist. Von Optimismus und Arbeitsidylle, wie es die im Auftrag der SED-Kunstinstanzen entstandenen Bilder von Arbeiter*innen und Brigadiers ausstrahlen sollten, zeugt Zieglers Darstellung allerdings nicht. Die Gesichter der porträtierten Frauen sind deutlich von ihrer Arbeit gezeichnet: Sie wirken müde, erschöpft, mitunter besorgt. Ziegler beschönigt nicht, sie gibt die realen Arbeitsverhältnisse der Frauen wieder. Dabei ließ sie sich, wie sie erzählte, von der „Wirklichkeit der Situation und des Modells“ (1) leiten. Bis heute agiert die Künstlerin als scharfe Beobachterin ihrer Umwelt.

Jenny Graser

(1) Doris Ziegler, zit. n. Eckhart J. Gillen: „Frauen in der Spinnerei / 1978/79 / WVZ 025“, in: Doris Ziegler. Das Passagen-Werk, Malerei, mit dem Werkverzeichnis der Gemälde (1970 bis 2020), hrsg. von Paul Kaiser, Weimar 2020, S. 60

Biographie
Doris Ziegler (*1949, Weimar) studierte von 1969 bis 1974 bei Werner Tübke (1929–2004) und Wolfgang Mattheuer (1927–2004) an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig (HGB) und war anschließend freischaffend in Leipzig tätig. 1989 erhielt sie eine Stelle als Assistentin im Grundlagenstudium in der Fachrichtung Malerei an der HGB. Nachdem die Hochschule infolge der Vereinigung Deutschlands umstrukturiert worden war, übernahm sie dort 1993 als eine der ersten Frauen die Professur im Grundlagenstudium Malerei, die sie bis 2014 innehatte. Nach wie vor ist sie als freischaffende Künstlerin aktiv.

Systematik Gemälde

Material/Technik Öl und Eitempera auf Hartfaserplatte

Maße 177 x 124 cm (Bildmaß)

Erwerbung 1982 Übereignung vom Kulturfonds der DDR

Inventar-Nr. G 2689