Objektabbildung zoomen

Werner Tübke,  
Selbstbildnis mit roter Kappe, 1988

 

Mit markantem und selbstbewusstem Ausdruck schaut Werner Tübke aus seinem Selbstbildnis von 1988. Sein Blick wirkt ernst, fast herausfordernd. Seine Lippen sind leicht zusammengepresst, die Augenbrauen mit einem leicht skeptischen Ausdruck hochgezogen. Der erwartungsvolle, aber beinahe abschätzige Blick des Künstlers aus dem Bild heraus vermittelt den Betrachtenden das Gefühl, als wolle er geprüft werden oder eine stille Reflexion über das eigene Werk und Schaffen einleiten.

Das Porträt ist in einem naturalistischen Stil gehalten, wobei die feinen Details in der Hautstruktur und Kleidung Tübkes handwerkliches Können und seine Fähigkeit zur genauen Beobachtung zeigen. Die zurückhaltende Farbgebung und der dunkle Hintergrund lassen den Künstler noch prominenter in den Vordergrund treten, was die Selbstreflexion und die introspektive Natur dieses Porträts betont.
Besonders auffällig ist die rote Baskenmütze, die farblich einen starken Kontrast zur eher gedämpften Farbpalette des restlichen Bildes bildet. Sie könnte als ein Symbol für seine künstlerische Individualität oder Andeutung einer traditionellen Würde verstanden werden, ähnlich den Kopfbedeckungen historischer Herrscherfiguren in der Renaissance. Zudem trägt er einen weißen, fleckigen Malerkittel mit Spuren von Farben – der Hinweis auf seine Profession.

Diese Inszenierung seiner eigenen Identität zeigt ein starkes Selbstbewusstsein, das mit der Fertigstellung seines monumentalen Panoramagemäldes in Bad Frankenhausen Ende 1987 in Zusammenhang stehen könnte.

Jasmin Lorenz

Systematik Gemälde

Material/Technik Öl auf Leinwand

Maße 90 x 77 x 5 cm (Rahmenmaß) 72 x 57 cm (Bildmaß)

Erwerbung 2022 Dauerleihgabe der Tübke Stiftung Leipzig

Inventar-Nr. L 2022-0016