Objektabbildung zoomen

Werner Tübke,  
Familienbild in sizilianischen Marionettenrüstungen, 1977

 

Die prunkvollen Rüstungen in Tübkes Familienbild erinnern an berühmte sizilianische Marionetten, die in traditionellen Puppenspielen die Geschichten großer Helden darstellen.

Im Zentrum der Komposition steht Tübke selbst: Mit Krone und im königlichen Gewand nimmt er durch seine reich verzierte Bekleidung und stolze Haltung eine vordergründige Rolle innerhalb der Gruppe ein. Die Figuren um ihn herum sind ebenfalls in Rüstungen gekleidet und scheinen in einer inszenierten Pose zu verharren. Sie wirken steif und unbeweglich, was durch die sichtbaren Fäden, an denen sie hängen, unterstrichen wird. Die gesamte Szene zeigt sich distanziert, fast künstlich, als wären die Figuren gefangen in vorgegebenen Rollen auf einer Bühne.
Rechts neben Tübke ist seine dritte Ehefrau Brigitte Tübke-Schellenberger dargestellt, die er 1976 geheiratet hatte. Beide brachten Kinder aus früheren Beziehungen in die neue Gemeinschaft. Auf dem Gemälde abgebildet sind Claudia, Volker, Adrian, Albrecht und Michael (v. l.). Als Familienporträt wirken die Figuren stark und zusammengehörig. Die Kostümierung, das Rollenspiel und die Marionettenhaftigkeit verstärken jedoch den Eindruck einer Fremdbestimmung und lassen das Bild einer intakten Gruppe fragwürdig erscheinen, wodurch das Werk einen sehr persönlichen Charakter erlangt.

Jasmin Lorenz

Systematik Gemälde

Material/Technik Mischtechnik auf Leinwand auf Pressspan

Maße 47,5 x 55,5 x 8 cm (Rahmenmaß) 33,9 x 42 cm (Bildmaß)

Erwerbung 2022 Dauerleihgabe der Tübke Stiftung Leipzig

Inventar-Nr. L 2022-0011