Objektabbildung zoomen

Wolfgang Mattheuer,  
Der Anfang III, 1971

 

Mehr als 40 Jahre seines Lebens verbrachte der Maler, Graphiker und Bildhauer Wolfgang Mattheuer in Leipzig. Seine enge Verbundenheit mit dieser Stadt spiegelt sich auch in zahlreichen seiner Gemälde wider, beispielsweise in „Das blaue Leipzig“ (MdbK). Darüber hinaus widmete sich Mattheuer intensiv Natur- und Landschaftsdarstellungen, die, wie zahlreiche seiner Werke, metaphorisch und allegorisch aufgeladenen oder politisch konnotiert sind. Dies gilt auch für seine industrialisierten Landschaften, in die sich die drei Gemälde umfassende Serie „Der Anfang I-III“ (1970–1971) einreiht. Im Zentrum aller drei Gemälde steht ein auf die Betrachter*innen zulaufender Arbeiter. Auf seiner rechten Schulter trägt er zusammen mit einem Kollegen, der vor ihm läuft und sich außerhalb des Bildraums befindet, einen schweren Holzbalken. Etwas Neues scheint im Aufbau zu sein. In „Der Anfang I“ ist der Arbeiter in eine architektonische Umgebung eingebettet, in den beiden folgenden Gemälden jedoch in eine karge Landschaft. In „Der Anfang III“ liegen dort Müll und Schrott auf dem Boden herum. Hier hat Mattheuer direkt hinter den Arbeiter eine Gruppe von Arbeiter*innen platziert, zu denen ein mit einem Anzug bekleideter Mann – vermutlich ein Funktionär – spricht. Seine wild gestikulierenden Arme verströmen Tatendrang, doch mag sein Optimismus nicht recht verfangen. Denn angesichts der öden Umgebung und der dunkel und bedrohlich wirkenden, am Himmel aufziehenden Wolken überwiegt eine gedrückte Stimmung.
Vermutlich hat Mattheuer in „Der Anfang III“ den Beginn eines der zahlreichen Großbauprojekte festgehalten, welche dem industriellen Forstschritt der DDR dienen sollten. Doch statt den industriellen Aufschwung zu feiern, zeichnete Mattheuer ein zwiespältiges Bild, das nicht nur einen neuen Anfang zeigt, sondern auch die mit der Industrialisierung einhergehende, massive Zerstörung der Umwelt. Und so stellt sich mit Blick auf den Titel der Gemälde-Serie die Frage, was hier angefangen wurde – der Aufstieg oder der Fall des Menschen.

JG

Literatur
Stefanie Michels (Hg): Wolfgang Mattheuer. Bilder als Botschaft. Werkverzeichnis der Gemälde, Galerie Schwind, Leipzig, Frankfurt am Main, Berlin 2017.

Biographie
Mit 19 Jahren nimmt der in Reichenbach im Vogtland geborene Wolfgang Mattheuer das Studium an der Kunstgewerbeschule in Leipzig auf. Nach einem Jahr wechselt er an die Hochschule für Graphik und Buchkunst (HGB), wo er bei Egon Pruggmayer, Walter Arnold und Elisabeth Voigt bis 1951 studiert. 1956 tritt er eine Dozentenstelle an der HGB an und übernimmt dort 1968 die Leitung für die Fachklasse Grafik und Malerei. 1974 gibt er seine Lehrtätigkeit aus persönlichen und ideologischen Gründen auf. Seitdem ist er freischaffend in Leipzig und ab 1977 regelmäßig in seinem ehemaligen Elternhaus in Reichenbach tätig. Zahlreiche Reisen führen ihn unter anderem nach Ungarn, aber auch nach Westberlin, Hamburg, Amsterdam, in die Schweiz, nach Schweden und Mexico. 2004 stirbt er in Leipzig.

Systematik Gemälde

Material/Technik Öl auf Hartfaser

Maße 119 x 95 cm (Bildmaß) 129 x 107 x 5 cm (Rahmenmaß)

Erwerbung 1971 Übereignung vom Rat des Bezirkes Leipzig

Inventar-Nr. G 2221