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Forschung: Helene Berger - Zwischen Leipzig und Buenos Aires


Zwischen Leipzig und Buenos Aires spannt sich die Geschichte einer Frau, deren Name heute kaum bekannt ist und deren Unterstützung für das Museum der bildenden Künste Leipzig (MdbK) doch von großer Bedeutung war: Helene Berger.
In einer Zeit wirtschaftlicher Krisen, knapper Mittel und tiefgreifender Umbrüche trug sie dazu bei, dass die Graphische Sammlung des Hauses weiter wachsen konnte.
Der folgende Beitrag erzählt von transatlantischen Verbindungen, kulturellem Engagement und den Spuren, die sich davon bis heute in der Sammlung des MdbK erhalten haben. Zugleich eröffnet er einen Blick auf die historischen Bedingungen, unter denen diese Unterstützung überhaupt wirksam werden konnte, sowie auf die Netzwerke des Museums.
So führt die Geschichte Helene Bergers nicht nur zu einer einzelnen Person, sondern auch mitten in die Sammlungs- und Museumsgeschichte des MdbK.

Das Projekt wurde im Rahmen eines praktischen Studiensemesters von Viktor Tlusty, Student der HTWK Leipzig im 7. Semester Museologie, erarbeitet.

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Leben

Emma Helene Mey wurde 1871 als älteste Tochter des Großunternehmers Carl Ernst Mey (1844–1903), Mitinhaber der Firma Mey & Edlich GmbH, und seiner Frau Emma Mey, geb. Wrankmore (Lebensdaten unbekannt), geboren. Am 6. März 1897 heiratete sie Curt Alfred Berger, der später die Nachfolge ihres Vaters im Unternehmen antrat. Helene Berger lebte mit ihrem Mann, der Kommerzienrat und Konsul der Argentinischen Republik war, fortan in Buenos Aires. Von dort brachen beide regelmäßig zu Geschäftsreisen nach Leipzig auf. Hier bewohnten sie eine Villa in der Karl-Heine-Straße 16. Das Paar hatte zehn Kinder, von denen die meisten in Buenos Aires geboren wurden. Nach dem Tod Helene Bergers am 27. Februar 1938 im Alter von 67 Jahren wurde ihre Asche in der Familiengrabstätte auf dem Leipziger Südfriedhof beigesetzt.

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Die "Argentinischen Spenden" und das MdbK

Helene und Curt Berger waren beide Mitglieder des Leipziger Kunstvereins und offenbar eng mit der Leipziger Kunstszene verbunden. Hildegard Heyne (1878–1964), ab 1924 die Leiterin der Graphischen Sammlung, hatte Helene Berger der Graphischen Sammlung des MdbK kunstgeschichtlich unterrichtet. Da das Museum der bildenden Künste Leipzig aufgrund chronisch knapper finanzieller Mittel nur in sehr begrenztem Umfang Neuerwerbungen tätigen konnte, war es fortlaufend auf Unterstützung angewiesen. Im Jahr 1922 wandte sich Hildegard Heyne an Helene Berger mit der Bitte, einige Abzüge der Radierungen Max Klingers zu erwerben, die er von Paul von Hindenburg angefertigt hatte. Diese waren von der Gesellschaft „Freunde der Graphischen Sammlung“ als erste Jahresgabe zur Förderung des Museums zusammengestellt worden.
Helene Berger erwarb die Blätter umgehend. Sie begann in der Folge, die Graphische Sammlung regelmäßig mit Geldbeträgen zu unterstützen, nun ohne eine Gegenleistung. Nach Aussage Hildegard Heynes haben die Spenden die „Graphische Sammlung zwei Jahre lang allein über Wasser gehalten“. In den folgenden sieben Jahren kamen auf diese Weise zusätzliche Mittel in Höhe von etwa 5000 bis 6000 Goldmark zusammen.

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Blick in die Sammlung

In der Graphischen Sammlung des MdbK befinden sich weit über 100 Werke, deren Erwerb durch Helene Bergers Spenden finanziert wurde. Zu ihnen zählen Arbeiten von Käthe Kollwitz, Max Klinger, Auguste Rodin, Lyonel Feininger, Max Pechstein und Elisabeth Voigt. Die Unterstützung Helene Bergers ermöglichte damit einerseits den Ankauf bedeutender künstlerischer Positionen der Zeit. Andererseits ist aus den Quellen überliefert, dass auf Wunsch der Spenderin auch jüngere, insbesondere Leipziger und Dresdner Künstler*innen, berücksichtigt werden sollten. Im heute fassbaren Bestand lässt sich dieses Förderanliegen jedoch nicht als durchgängiger Sammlungsschwerpunkt ablesen. Vielmehr scheint es sich eher um eine Akzentsetzung innerhalb eines breiter angelegten Erwerbungsprogramms gehandelt zu haben.