Objektabbildung zoomen

Nicolaus Knüpfer,  
Die Entführung der Helena, 1640er Jahre

 

Der Raub der Helena durch Paris, den Sohn von Menelaos, des Königs von Troja, war der Auslöser des Trojanischen Krieges und der damit verbundenen Zerstörung von Troja. Er gilt als ein zentrales Ereignis der antiken Mythologie. Das Thema war vor allem in der italienischen Malerei populär, in der holländischen Malerei des 17. Jahrhunderts jedoch selten. Es ist vermutet worden, dass Knüpfer von Rembrandts 1631 datiertem Gemälde „Raub der Proserpina“ angeregt worden sein könnte (Berlin, Staatliche Museen, Gemäldegalerie).(1) Vergleichbar ist auf beiden Bildern das Motiv, wie ihre Gefährtinnen versuchen, Helena am Stoff ihres Kleides festzuhalten. Knüpfer spitzt das Geschehen des Frauenraubes auf bestimmte Motive zu: Hierzu zählen der verzweifelt ausgestreckte Arm Helenas und ihr Blick zurück auf den heimatlichen Tempel. Ihre Hand mit gespreizten Fingern leuchtet rosig vor dem Dunkel des Hintergrunds. Die durch die Lichtregie hervorgehobenen Brüste betonen die sexualisierte Gewalt der Szene. Aus dem Schatten blitzt die silberne Klinge eines Dolches auf, den einer der Entführer gegen eine Gefährtin Helenas führt. Am rechten Bildrand liegt das Schiff bereit, mit dem sie verschleppt werden wird. Die Malweise ist zugleich höchst delikat und ökonomisch. Knüpfer vermag es, mit wenigen farblichen Akzenten und einer geschickten Kombination emotionaler Motive den Ausdruck von königlicher Pracht und menschlicher Niedertracht wie auf einer Bühne vor den Augen der Betrachtenden zu inszenieren. Trotz des kleinen Formats bietet das Gemälde die große Dramatik eines vollwertigen Historienbildes. Hiermit machte sich Knüpfer einen Namen auf dem von Konkurrenz geprägtem Markt für Historienmalerei in Holland in den 1640er Jahren.

Jan Nicolaisen

(1) Eric J. Sluijter De „heydensche fabulen“ in de schilderkunst van de Gouden Eeuw. Schilderijen met verhalende onderwerpen uit de klassieke mythologie in de noordelijke Nederlanden, circa 1590-1670, Leiden 2000, S. 65

Systematik Gemälde

Material/Technik Öl auf Holz

Maße 34,8 x 45 cm (Bildmaß)

Erwerbung 2019 Dauerleihgabe aus Privatbesitz