Gian Lorenzo Bernini
Studie nach dem Laokoon; um 1620
Museum der bildenden Künste Leipzig, Lizenz: CC BY-NC-ND
Gian Lorenzo Bernini, …
Studie nach dem Laokoon, um 1620
Die Zeichnung ist für Gian Lorenzo Bernini die Grundlage, um seine Ideen und künstlerischen Konzepte festzuhalten und auszuarbeiten. Da sein Vater, der Bildhauer Pietro Bernini (1562–1629) 1606 mit seiner Familie nach Rom zieht und bald für Papst Paul V. arbeitete, konnte der junge Gian Lorenzo nicht nur in der Werkstatt des Vaters tätig sein, sondern auch die antiken Statuen, Gemälde und Fresken in der päpstlichen Sammlung studieren. Unermüdlich zeichnete er die Figuren und wiederholte zur Übung seine eigenen Zeichnungen. Auch später hat er als Lehrer die Zeichnung als grundlegende Funktion der künstlerischen Ausbildung betont. Vor Gipsabgüssen antiker Statuen, Reliefs und Büsten und dem lebenden Modell sollten angehende Künstler lernen.
Von seinen zahlreichen Studien der antiken Statuen ist bis heute nur die Zeichnung „Studie nach dem Laokoon“ in der Leipziger Sammlung bekannt.
Die Rötelzeichnung zeigt den Oberkörper des Laokoon, der zentralen Figur der hellenistischen Skulpturengruppe. Bernini, der die 1506 in Rom wiederentdeckte Statue mit ergänztem Oberarm sah, konzentriert sich in der malerischen Kreidezeichnung auf das Licht- und Schattenspiel der Muskeln. Mit festen, sicheren Konturlinien ist der Torso umrissen. Die Muskelpartien des Rumpfs sind mit Rötelschattierungen, kleinen Schraffuren und Verwischungen lebendig und plastisch modelliert. Die Oberfläche der antiken Figur und die Muskulatur sind Studiengegenstand der Zeichnung.
Weit über 200 Zeichnungen Gian Lorenzo Berninis und seiner Schule sind im Besitz des Museums der bildenden Künste Leipzig und machen diese Sammlung neben der Biblioteca Vaticana zu einem der wichtigsten Orte für Forscher des römischen Barock.
Die Leipziger Blätter entstammen einem Konvolut von Klebebänden aus dem Besitz Christina von Schwedens, die 1713 vom Kunsthändler Prior Francesco Antonio Renzi als „ein Cabinett von curiosis“ der Stadt Leipzig zum Kauf angeboten wurde. Die Zeichnungen kamen in die damalige Ratsbibliothek. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts entdeckte man sie wieder. Durch Heinrich Brauer und Rudolf Wittkower 1931 und 1981 von Irvin Lavin grundlegend wissenschaftlich bearbeitet, wurden sie der Forschung zugänglich gemacht.
Die Leipziger Zeichnungen veranschaulichen Berninis künstlerisches Schaffen im Auftrag von fünf Päpsten. Größere Werkgruppen zeigen sein langjähriges Wirken in und für St. Peter, angefangen von der Gestaltung des Altarziboriums, des Grabmals Urbans VIII., der Cathedra Petri, der Sakramentskappelle, der Scala Regia und der Piazza San Pietro sowie den Kolonnaden samt Figurenschmuck. Darüber hinaus sind weitere Blätter zur Piazza Navona, der Kirchenausstattung von Santa Maria del Popolo sowie der Chigi-Kapelle in Siena zu finden. Auch Figurenstudien zu Berninis Skulpturen wie der Heiligen Therese, der „Verità“, einzelner Familienkapellen und Entwürfe für die Johannespredigt, das Frontispiz für Giovanni Paolo Olivas zweiten Band „Prediche dette nel Palazzo Apostolico“ haben sich in der Leipziger Sammlung erhalten.
Die zeichnerische Bandbreite Berninis ist an diesen Blättern zu verfolgen. Neben flüchtigen ersten Ideenskizzen sind auch detaillierte Figurenzeichnungen auszumachen. Oftmals kann der unmittelbare Werkprozess verfolgt werden.
Jeannette Stoschek
Beteiligte Gian Lorenzo Bernini (1598 - 1680)
Titel Studie nach dem Laokoon
Titel englisch Study after the Laocoön [Study after the Laocoön]
Entstehungszeit um 1620
Systematik Zeichnung
Material/Technik Rötel, weiß gehöht, auf festem fasrigen Papier
Technik Rötelzeichnung
Signatur Unbez.
Auflage Art. Fol. 90, 62-121
Referenz Schütze/Stoschek 2014, S. 102-105 Kat. Nr. 1 (Bestandskatalog) Brauer/Wittkower S. 57 Taf. 42 (Werkverzeichnis)
Creditline Museum der bildenden Künste Leipzig
Zitiervorschlag/Permalink Gian Lorenzo Bernini, Studie nach dem Laokoon, um 1620, Rötel, weiß gehöht, auf festem fasrigen Papier, Museum der bildenden Künste Leipzig, Copyright Abb. © Museum der bildenden Künste Leipzig, Lizenz: CC BY-NC-ND, https://mdbk-digital.de/detail/collection/c31de124-bab3-496e-b6d6-f08da8135d32
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Gian Lorenzo Bernini
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