Objektabbildung zoomen

Werner Tübke,  
Selbstbildnis, 1989

 

Das „Selbstbildnis“ aus dem Jahr 1989 zeigt den erschöpften Künstler im Dreiviertelprofil. Auffallend ist der eindringliche Blick Tübkes, der unmittelbar auf die Betrachtenden gerichtet ist.

Tübke porträtierte sich mit detaillierter Genauigkeit, wobei die markanten Gesichtszüge, Falten und die Struktur der Haut realistisch und mit großer Präzision wiedergegeben werden.
Die Lichtmodellierung in diesem Porträt ist bemerkenswert. Sanftes Licht hebt die plastische Form des Gesichts hervor, während Schatten die Tiefe der Falten betonen. Sein Hut und der Malerkittel geben dem Bild eine gewisse Schlichtheit, fast Bescheidenheit, die dem Künstler ein ruhiges, in sich gekehrtes Auftreten verleiht.

Das Porträt entstand in einer bedeutenden Lebensphase Tübkes: 1989, anlässlich des 500. Geburtstages Thomas Müntzers, fand die Einweihung seines monumentalen Panoramagemäldes in Bad Frankenhausen statt. Das Werk wurde von den Staatsvertretern als Symbol sozialistischer Ideale interpretiert, obwohl Tübke sich während der Arbeit über ein Jahrzehnt gegen ideologische Eingriffe der DDR-Kulturbehörden behauptet hatte. Ungeachtet dessen wurde Tübke nach dem Ende des DDR-Regimes als „Staatskünstler“ kritisiert.

Statt Selbststilisierung zeigt sich Tübke hier in verletzlicher Offenheit. Seine Fähigkeit, sich selbst so schonungslos und gleichzeitig einfühlsam darzustellen, macht dieses Werk zu einer kraftvollen Selbstdarstellung eines Künstlers.

Jasmin Lorenz

Systematik Gemälde

Material/Technik Öl auf Leinwand

Maße 28 x 24 cm (Bildmaß) 46,2 x 42,5 x 5,5 cm (Rahmenmaß)

Erwerbung 2022 Dauerleihgabe der Tübke Stiftung Leipzig

Inventar-Nr. L 2022-0017