Objektabbildung zoomen

Gerrit van Honthorst,  
Musizierende Gesellschaft, 1629

 

Drei Schäferinnen singen zum Klang des Tambourins unter einem Baum. Während zwei von ihnen aufmerksam die Noten lesen, blickt die Tambourinspielerin lächelnd zum Betrachter. Die jungen Frauen tragen bunte Fantasiekostüme in hellen Farben.(1) Auch ihr Inkarnat wirkt sehr hell, fast weiß und ist in glatter Malweise aufgetragen. Die Gesichter erscheinen mit geraden Nasen, sanft geschwungenen Augenbrauen und weichen Lippen typisiert. Links hinter den Schäferinnen ragt ein Baum empor, um dessen Stamm sich Weinlaub rankt. Das Bild steht am Beginn der klassizistischen Phase van Honthorsts. Die vorausgegangenen, caravaggesk geprägten Werke der 1620er Jahre klingen in Details wie der erotisch entblößten Schulter einer Schäferin, der theatralischen Kostümierung, der grellen Beleuchtung und der nahsichtigen Figurenpräsentation nach.(2) Van Honthorsts Darstellung der Schäferinnen ist durch die pastorale holländische Literatur des 17. Jahrhunderts beeinflusst, in der die Schäferinnen Flöte spielen oder im Duett Gesangswettbewerbe veranstalten.(3) Die Liebesbeziehungen zwischen Hirten und Schäferinnen waren auch ein beliebtes Motiv pastoraler Theaterstücke mit Gesangseinlagen. In vielen Schulen, allen voran in Utrecht seit den 1620er Jahren, war das Sujet erotischer Schäferbilder beliebt.(4) Pastorale Themen wurden am Hof in Den Haag besonders geschätzt, für den van Honthorst im Auftrag von Statthalter Friedrich Heinrich (1598–1647), Prinz von Oranien, und seiner Frau Amalia von Solms (1602–75) seit etwa 1627 wie ein Hofmaler tätig war. Amalia ließ sich 1632 von van Honthorst als Jagdgöttin Diana porträtieren.(5) Judson/Ekkart (1999) konstatieren, dass die Schäferinnen des Leipziger Bildes wirken wie „a group of ladies from one of the Courts for whom Honthorst worked in the late 1620s“.(6) In der Tat verströmen die drei jungen Frauen die kokette Ausstrahlung verkleideter Hofdamen während eines Rollenspiels.

Jan Nicolaisen

(1) Hierzu gehört ein gestreifter Schal, der auf mehreren Gemälden van Honthorsts wiederkehrt und wohl im Atelier als Vorlage vorhanden war. Vgl. P. van den Brink, ebd., S. 181f.
(2) Die Beleuchtung ist jedoch milder und das Kolorit heller als auf früheren Bildern.
(3) Vgl. Kettering 1983, S. 93.
(4) Vgl. Jos de Meyere, Utrecht als centrum van pastorale schilderkunst, in: Ausst.-Kat. Utrecht/Frankfurt a.M./Luxemburg 1993/94, S. 23–32.
(5) Vgl. Gerard van Honthorst, Amalia von Solms als Jagdgöttin Diana (Kulturstiftung Dessau-Wörlitz). Vgl. M. TiethoffSpliethoff, Representatie en rollenspel. De portretkunst aan het hof van Frederik Hendrik en Amalia, in: Ausst.-Kat. Den Haag, 1997/98, S. 160–184.
(6) Judson/Ekkart 1999, S. 171.

Systematik Gemälde

Material/Technik Öl auf Holz

Maße 112,8 x 95,4 cm (Bildmaß)

Erwerbung 1996 Dauerleihgabe der Maximilian Speck von Sternburg Stiftung, Leipzig

Inventar-Nr. G 1616