Objektabbildung zoomen

Werner Tübke,  
Versuch II, 1956

 

Im Zentrum des Ölgemäldes steht eine zusammengedrängte Menschenmenge. Die Bewegungen der einzelnen Personen sind unkoordiniert und wie von einer inneren Aufruhr getrieben.

Ihre Gesichter sind detailliert ausgearbeitet: Einige wirken wie von Schmerz, Trauer und Verzweiflung erfasst; andere zeigen Gesten der Abwehr.
Die acht Pferdeköpfe, die sich am oberen Bildrand dicht aneinanderreihen, scheinen die Menschen nach vorn zu treiben. Diese stehen verschachtelt angeordnet, neigen sich und versuchen ihr Gleichgewicht zu halten. Im Bildvordergrund stützen sich zwei strauchelnde Männer ab. Unter ihnen ragen zwei Beine einer Person hervor, die bereits unter der Menschenmasse begraben wurde.

Durch weiße Schlaglichter in der Bildmitte entsteht ein starker Kontrast zu der Dunkelheit am Bildrand. Der Einsatz gedämpfter, überwiegend kühler Farbtöne wie Blau und Grau verleiht dem Bild eine düstere apokalyptische Atmosphäre. Die diverse Gesellschaft eint ein Gefühl von Unruhe, Angst und Verzweiflung.
In sein Tagebuch schrieb Tübke 1956: „Ich (man?) kann heute keine mythische Apokalypse mehr malen. Keine Apokalypse an sich. [… ] Mangelt an Gläubigkeit? Bei mir? Oder muss man einen solchen Ideengehalt an einem entsprechenden Sujet aufhängen?“ (Werner Tübke: Blaues Tagebuch. 1956, Eintrag vom 15.8.1956).
Es ist naheliegend, dass das Gemälde immer wieder in Zusammenhang mit dem Ungarn-Aufstand von 1956 gebracht wird.

Jasmin Lorenz

Systematik Gemälde

Material/Technik Öl auf Leinwand

Maße 142 x 214 x 4 cm (Rahmenmaß) 150,4 x 200,4 cm (Bildmaß)

Erwerbung 2022 Dauerleihgabe der Tübke Stiftung Leipzig

Inventar-Nr. L 2022-0006