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Frans Hals,  
Peeckelhaering (Der lustige Zecher), um 1628

 

Ein bärtiger Mann in rotem Narrenkostüm mit gelb abgesetzten Säumen lacht den Betrachter mit geneigtem Kopf an. Sein stark geschminktes Gesicht glänzt fettig und seine Augen schimmern nach reichlichem Alkoholgenuss. Mit ausgestrecktem Zeigefinger weist er aus dem Bild heraus. Das Gemälde zeigt den „Peeckelhaering“ (Pökelhering), einen komischen Charaktertyp des holländischen Volkstheaters, der seinen Durst nach dem Essen gepökelter Heringe mit viel Alkohol löscht. Dementsprechend ist auf dem verwandten Gemälde eines Peeckelhaerings von Frans Hals in Kassel ein geleerter Krug in der Hand des Trinkers zu sehen.(1) Die Figur erscheint mehrfach auf Bildern, insbesondere in der Bierbrauerstadt Haarlem; so malte Judith Leyster (1609–60) einen vergleichbaren Peeckelhaering (Haarlem, Frans Hals Museum, Leihgabe des Rijksmuseums, Amsterdam, Inv.-Nr. os 60–55). Bereits um 1615 hatte Hals einen Peeckelhaering in dem Mehrfigurenbild einer Fastnachtgesellschaft dargestellt.(2) Hals knüpft mit der Bildform des Zechers in Halbfigur an Werke der Utrechter Malerei aus den 1620er Jahren an.(3) Hendrick ter Brugghen malte 1628 einen Lachenden Demokrit, der das Lachen und den Fingerzeig in ähnlicher Form zeigt.(4) Frans Hals verdeutlicht mit dieser Geste wohl, dass auch der Betrachter sich in Affektbeherrschung zu üben habe, will er sich nicht der Lächerlichkeit preisgeben. Der betrunkene Gesichtsausdruck in Verbindung mit dem Narrenkostüm erinnert an ein geläufiges lateinisches Sprichwort: „Nil similius insano quam ebrius“ (Nichts ist dem Narren ähnlicher als ein Betrunkener).(5) Die dunkel geschminkte Gesichtsfarbe führte zur irrigen Bezeichnung des Bildes durch Wilhelm Bode als „Mulatte“. Am Halsansatz macht der Maler jedoch die rosige Haut des Mannes kenntlich. Im November 1631 wird in einer Liste von Gemälden, die ein Haarlemer Gastwirt versteigern wollte, ein „peeckelharing van Frans Hals“ genannt, was einen Terminus ante quem entweder für das Kasseler oder das Leipziger Bild abgibt.(6) 1639 kopierte der Bruder Dirck Hals die Figur.(7) Um 1670 befand sich das Gemälde wohl in England und wurde von dem Kupferstecher Edward Le Davis zusammen mit dem Porträt eines Mannes von Frans Hals, das sich heute in St. Petersburg befindet, in einem Kupferstich kopiert.(8) Slive (1974) listet fünf Kopien auf. Wilhelm Bode erwarb das Bild 1889 trotz Bedenken von Thieme.(9)

Jan Nicolaisen

(1) Museumslandschaft Hessen Kassel, Gemäldegalerie Alte Meister, Inv.-Nr. GK 246.
(2) New York, The Metropolitan Museum of Art, Inv.-Nr. 14.40.605, vgl. Liedtke 2007, S. 251–259.
(3) Vgl. z.B. Hendrick ter Brugghen, Fröhlicher Trinker (Utrecht, Centraal Museum, Inv.-Nr. M.I. 11480).
(4) Amsterdam, Rijksmuseum, Inv.-Nr. SK-A-2783. Zur Ikonografie des Motivs des Fingerzeigs vgl. Blankert 1967.
(5) Vgl. Jacob Jordaens, Das Bohnenfest (Wien, Kunsthistorisches Museum, Inv.-Nr. GG_786) mit der Darstellung von Zechern, über denen dieses Sprichwort in einer Kartusche wiedergegeben ist.
(6) Vgl. Slive 1970, Bd. 1, S. 96.
(7) Stockholm, Nationalmuseum, Inv.-Nr. NM 1549. Vgl. Kat. Stockholm 2005, S. 218, Nr. 217; Slive 1974, S. 96 u. Abb. 89.
(8) Am unteren Bildrand des Kupferstichs sieht man eine zerzauste Hutfeder, die auf Inv.-Nr. 1017 wohl durch Bereibungen verloren gegangen ist (in Resten erkennbar).
(9) Am 12.7.1889 schreibt Thieme an Bode: „Einen Hals für 7.400 fs möchte ich schon haben, wenn es nur kein Mulatte wäre.“ Briefwechsel Thieme, S. 101.

Systematik Gemälde

Material/Technik Öl auf Leinwand

Maße 76,5 x 64 cm (Bildmaß)

Erwerbung 1916 Erwerbung aus der Sammlung Alfred Thieme, Leipzig

Inventar-Nr. G 1017