Max Beckmann
Bildnis eines Teppichhändlers; 1946
Museum der bildenden Künste Leipzig, Foto: InGestalt/Michael Ehritt, Lizenz: CC BY-NC-ND
Max Beckmann, …
Bildnis eines Teppichhändlers, 1946
Als Max Beckmann das lebensgroße „Bildnis eines Teppichhändlers“ im März 1946 fertigstellt, befindet er sich in Amsterdam, wo er zusammen mit Mathilde „Quappi“ Beckmann seit 1937 im Exil lebt und die Zeit des Zweiten Weltkriegs übersteht. Das Porträt zeigt, so wird vermutet, den jüdischen Kunsthändler Carel van Lier (1897–1945). (1) Sein Geschäft, der Kunstzaal van Lier, lag in unmittelbarer Nähe zu Beckmanns Amsterdamer Wohnung am Rokin. Dort hatte ihm van Lier 1938 eine Einzelausstellung eingerichtet, die einzige während Beckmanns Zeit im Exil.
Beckmann hat der dargestellten Person einen blauen Teppich über den rechten Arm gelegt und zwei gelbe Textilien im Hintergrund platziert, die auf die Tätigkeit des Porträtierten und damit auf van Liers verweisen könnten. Wie es für Beckmanns späten Stil charakteristisch ist, fasst er den Figur wie auch die im Bilderhintergrund aufgespannten Teppiche und angedeuteten Säulen mit markanten schwarzen Pinselstrichen ein. Die vorrangig in Braun und Schwarz gekleidete Person hebt sich kontrastierend vom gelb, braun und weiß angelegten Hintergrund ab.
Auffällig große Hände hat der Künstler dem Porträtierten verliehen. Die linke Hand ist erhoben und mit der Innenseite den Betrachter*innen zugewandt, sodass sie an die Geste der Segnung angelehnt ist und die dargestellte Person in einen religiösen Kontext rückt. Der Segensgestus ist für Heiligendarstellungen kennzeichnend und wird von Beckmann in mehreren Bildnissen aufgegriffen. In diesem Porträt könnte sie durchaus auf van Liers und dessen mutige und folgenschwere Aktivitäten im Widerstand verweisen. Nachdem die deutsche Wehrmacht in Amsterdam einmarschiert war, wurde van Lier deportiert und am 15. März 1945 im KZ-Außenlager Hannover-Mühlenberg ermordet. (2)
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kehrt Beckmann nicht nach Deutschland zurück. Er nimmt einen Lehrauftrag in den USA an und verbringt seine letzten Lebensjahre zusammen mit „Quappi“ in New York. Dort erliegt er am 27. Dezember 1950 während eines Spazierganges im Central Park einem Herzinfarkt.
Jenny Graser
(1) Siehe Susanne Petri: Bildnis eines Teppichhändlers, 1946, in: Max Beckmann. Von Angesicht zu Angesicht, Ausst. Kat. Museum der bildenden Künste Leipzig 2011-12, Ostfildern 2011, S. 220–221.
(2) Siehe Proveana, Datenbank Provenienzforschung, Deutsches Zentrum Kulturgutverluste, https://www.proveana.de/de/link/act10003651 [eingesehen am 03.06.2026]
Systematik Gemälde
Material/Technik Öl auf Leinwand
Maße 194,5 x 94,5 cm (Bildmaß) 213 x 114 x 6 cm (Rahmenmaß)
Erwerbung 1993 Erwerbung im Namen des Nachlasses Mathilde Q. Beckmann von der Galerie Pels-Leusden, Berlin, mit Mitteln des Regierungspräsidiums Leipzig, Bundesministeriums des Innern, Bundesverwaltungsamtes Köln und der Ersten München-Leipziger Investitionsgesellschaft
Inventar-Nr. G 3044
Beteiligte Max Beckmann (1884 - 1950)
Titel Bildnis eines Teppichhändlers
Titel englisch Portrait of a Carpet Dealer
Entstehungszeit 1946
Systematik Gemälde
Material/Technik Öl auf Leinwand
Technik Öl auf Leinwand
Signatur Sign. u. dat. u. l. (am rechten Fuß): Beckmann | A 46
Referenz Göpel 714 (Werkverzeichnis)
Creditline Museum der bildenden Künste Leipzig
Literatur Ausst.-Kat. Max Beckmann. Von Angesicht zu Angesicht, hrsg. von Susanne Petri und Hans-Werner Schmidt, Museum der bildenden Künste Leipzig 17.9.2011-22.01.2012, Ostfildern: Hatje Cantz, 2011, S. 220, Kat. Nr. 224, Abb. S. 221 Erhard und Barbara Göpel, Max Beckmann. Katalog der Gemälde, hrsg. von Hans Martin von Erffa, Bern: Kornfeld und Cie, 1976, 2 Bde., S. 428-429, Kat. Nr. 714
Zitiervorschlag/Permalink Max Beckmann, Bildnis eines Teppichhändlers, 1946, Öl auf Leinwand, Museum der bildenden Künste Leipzig, Copyright Abb. © Museum der bildenden Künste Leipzig, Foto: InGestalt/Michael Ehritt, Lizenz: CC BY-NC-ND, https://mdbk-digital.de/detail/collection/24a56302-98a8-4cc2-ad2b-43267ebc8696
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Max Beckmann
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