Objektabbildung zoomen
 

Eine Kuhherde weidet am seichten Ufer eines Flusses, der vom rechten Vordergrund bis zur Horizontlinie links verläuft. Rechts ragt eine Gruppe schmaler Bäume empor, hinter denen ein niedriger Wald beginnt. Links davon sind zahlreiche Dächer eines Dorfes im Gebüsch auszumachen, die von einer großen Kirche überragt werden. Auf dem Fluss segelt links ein voll besetztes Schiff neben einem Ruderboot, während in Ufernähe zwei Männer in einem Kahn auf Entenjagd gehen. Bei genauerer Betrachtung ist das Mündungsfeuer der langen Jagdflinte zu erkennen. Im Hintergrund liegen mehrere Boote an der Anlegestelle des Dorfes. Das Motiv der Kuhherde am Fluss, in sumpfigem Gelände oder auf Fähren hat van Ruysdael in den 1640er und 1650er Jahren vielfach variiert.(1) Gegenüber der 1635 datierten, tonigeren Leipziger Flusslandschaft (Verlinkung?) ist das Kolorit nun heller, brillanter und die Beleuchtung kontrastreicher geworden.(2) Van Ruysdael zeichnet die Pflanzen am Ufer und das Laub der Bäume wesentlich genauer als in früheren Jahren. Diese stilistischen Änderungen zeigen den Einfluss der Malerei seines Neffen Jacob van Ruisdael, ohne dessen Vorbild die zarte Silhouette des über den Fluss aufragenden Baumstammes vor leuchtend blauem Himmel nicht zu denken wäre. Stechow nennt das Leipziger Bild als Beispiel eines „romantischen Zuges“ im Spätwerk van Ruysdaels.(3) Der Begriff trifft gut den Einklang von Mensch und Natur in einer friedlichen Atmosphäre, die durch das aus der Tiefe des Bildraums hervorstrahlende Licht und die Leuchtkraft der Farben bestimmt ist.

Jan Nicolaisen

(1) Vgl. Stechow 1938, S. 29 und Nrn. 153, 155, 175, 355, 358, 412.
(2) Aus den Bäumen tritt ein helles Grün hervor, bei den Kühen steht eine ins Violettschwarz gehende Färbung im Gegensatz zu den leuchtend weißen Köpfen. Der Fluss und der Himmel sind mit Blau- und Weißanteilen auch leuchtend wiedergegeben.
(3) Zit. nach Stechow 1938, S. 29.

Systematik Gemälde

Material/Technik Öl auf Holz

Maße 55,6 x 72,2 cm (Bildmaß)

Erwerbung 1916 Erwerbung aus der Sammlung Alfred Thieme, Leipzig

Inventar-Nr. G 1059