Objektabbildung zoomen

Reinier Nooms (Zeeman),  
Ansicht von Amsterdam mit Zuiderkerk und Houtkopersburgwal, 1659

 

Das Bild zählt zu den seltenen gemalten Amsterdam-Ansichten des Marinemalers, Schiffzeichners und Grafikers Zeeman.(1) Es stellt eine topografisch genaue und malerisch reizvolle Stadtvedute dar, die von den gängigen Sehenswürdigkeiten Amsterdams im 17. Jahrhundert abweicht. Der Künstler schildert mit einer gewissen Nüchternheit das geschäftige Treiben auf den Grachten am Houtkopersburgwal, dem Stapel- und Handelsplatz für Holz in der Nähe der Amsterdamer Schiffswerften, und präsentiert die Stadt gleichsam aus der Hinterhofperspektive.(2) Am linken Bildrand ist im Vordergrund ein Holzstapelplatz zu erkennen, dahinter aneinandergereihte Backsteingiebel in dichter Großstadtbebauung. Im Hintergrund steht die Zuiderkerk mit dem 1614 fertiggestellten Renaissanceturm von Hendrick de Keyser (1565–1621). Die Zuiderkerk war der erste Kirchenbau Amsterdams, der speziell für den protestantischen Gottesdienst erbaut wurde (1603–11). Zwei vornehm gekleidete Paare lassen sich über die Gracht rudern, während auf den übrigen Booten gearbeitet wird. Auf einem Brückengeländer hinter ihnen hängen – vielleicht importierte – Teppiche zum Trocknen. Rechts liegt ein mehrstöckiges Speicherhaus auf der Oude Schans, vor dem ein Schwenkkran zum Entladen von Waren in den Himmel ragt. Bereits im Verst.-Kat. von 1802 ist der Einfluss Jacob van Ruisdaels hervorgehoben worden.(3) Man erkennt dessen Vorbild an dem lebhaften Wechsel von Sonnenlicht und Schatten auf dem Wasser und den Gebäuden, der dem Bild Natürlichkeit verleiht. Nooms ist einer der wenigen Maler seiner Zeit, der sich für die topografische Wiedergabe abgelegener Amsterdamer Stadtteile interessierte.(4) Die Komposition wiederholte er ähnlich in einer Ansicht der Singelgracht im gleichen Format.(5) Nooms schuf außerdem zwei umfangreiche Folgen mit Radierungen mit topografischen Ansichten Amsterdams, die Grachten aus einem ähnlichen Blickwinkel zeigen.(6)

Jan Nicolaisen

(1) Eine vergleichbare Stadtansicht Nooms’, die die Prinsengracht zeigt, befindet sich in Amsterdam (Historisch Museum, Inv.-Nr. SA 591).
(2) Das unterscheidet das Gemälde von den topografisch exakten, aber idealisierenden Stadtveduten Jan van der Heydens und Gerrit Berckheydes (vgl. Kat.-Nr. 21).
(3) „Ce petit Tableau est pris dans un effet et un ton de couleur qui le rapproche des ouvrages de J. Ruysdael.“
(4) Vgl. Ausst.-Kat. Amsterdam 1977, Nr. 120.
(5) Amsterdam, Christie’s, 16.4.2002, Nr. 1223.
(6) Verscheynde schepen en gesichten van Amsterdam (Verschiedene Schiffe und Ansichten von Amsterdam), Bartsch 53–98; Nieuwe en eygententlycke afbeeldinge der stads-porten van Amsterdam (Neue und echte Wiedergaben der Stadttore von Amsterdam), Bartsch 119–126.

Systematik Gemälde

Material/Technik Öl auf Leinwand

Maße 40,1 x 48,9 (Bildmaß)

Erwerbung 1903 Vermächtnis von Julius Otto Gottschald, Leipzig

Inventar-Nr. G 829