Adriaen van Ostade
Die Bänkelsängerin (Vorleserin); 1644
Museum der bildenden Künste Leipzig, Foto: InGestalt/Michael Ehritt, Lizenz: CC BY-NC-ND
Adriaen van Ostade, …
Die Bänkelsängerin (Vorleserin), 1644
An der Eingangstür eines Bauernhauses haben sich einige Erwachsene und mehrere Kinder versammelt, um einer alten Frau in abgerissener Kleidung beim Vorlesen (oder Vorsingen?) zuzuhören. Sie scheint von einem Jungen an der Drehleier begleitet zu werden. Das bäuerliche Milieu ist detailreich mit bröckelndem Putz, wuchernden Efeuranken, herumliegenden Gerätschaften, spielenden Kindern und pickenden Hühnern im Hof charakterisiert. Durch einen ausladenden Baum, der sich über dem Anwesen erhebt, und einen hohen Bretterzaun wirkt der Hof von der Außenwelt abgeschlossen. Der Künstler hat die Szene in ein warmes, helles Licht getaucht. Die anheimelnde Stimmung ist Ausdruck einer Tendenz Ostades zur beschaulichen Milieuschilderung seit etwa Mitte der 1640er Jahre. Die Wildheit kartenspielender Bauern vom Beginn der 1630er Jahre scheint weit entfernt.(1) Bei genauer Betrachtung erkennt man die karikierende Absicht Ostades: Der Gesichtsausdruck der alten Frau mit gebogener Nase und geöffnetem Mund im Profil, unter turbanartiger Kopfbedeckung, ist komisch. Der Krug am Gürtel weist darauf hin, dass sie gerne Bier als Lohn für ihre Dienste entgegennimmt. So verwundert es nicht, dass die Mienen ihrer Zuhörer eher Belustigung als gespanntes Interesse zeigen. Die Komposition zeigt den Einfluss von Radierungen Rembrandts wie Der Rattengiftverkäufer (Bartsch 121, 1632 datiert) und Alte Bettlerin mit Umhängeflasche (Bartsch 168, um 1629).
Jan Nicolaisen
(1) Ein von Hartleb (in Ausst.-Kat. Leipzig/München 1998) für ein Gegenstück gehaltenes Gemälde in Wien, Komischer Vorleser in der Bauernschenke (Wien, Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste, Inv.-Nr. 732), das zwischen 1633 und 1636 entstanden ist, schlägt einen ungleich satirischeren Ton an. Vgl. Kat. Wien 1992, S. 295–298 (R. Trnek).
Beteiligte Adriaen van Ostade (1610 - 1685 )
Titel Die Bänkelsängerin (Vorleserin)
Entstehungszeit 1644
Systematik Gemälde
Material/Technik Öl auf Eichenholz
Technik Ölmalerei
Signatur Bez. u. r.: Av.[lig.] ostade | 1644.
Referenz Niederländische Malerei 251 (Bestandskatalog) SpSt (1998) I/96 (Bestandskatalog)
Creditline Maximilian Speck von Sternburg Stiftung im Museum der bildenden Künste Leipzig
Provenienz
1996 – heute: Museum der bildenden Künste Leipzig, Dauerleihgabe der Maximilian Speck von Sternburg Stiftung, Leipzig
1996: Restitution an die Erbengemeinschaft Speck von Sternburg
1952: Inventarisierung durch das MdbK
1945 – 1952: Verwahrung durch das MdbK
1945: Beschlagnahme der Sammlung Speck von Sternburg im Zuge der Bodenreform [1]
bis 1945: Kunstsammlung der Familie Speck von Sternburg, Lützschena (Ortsteil von Leipzig)
Quellen:
[1] MdbK Archiv, Karton 145, Speck von Sternburg-Archiv: Schriftwechsel 1929-1964
Literatur Slg.-Kat. Niederländische Malerei 1430-1800. Museum der bildenden Künste Leipzig. Unter Mitarbeit von Rüdiger Beck bei den gemäldetechnologischen Untersuchungen, hrsg. von Maximilian Speck von Sternburg Stiftung im Museum der bildenden Künste Leipzig, Leipzig: Seemann, 2012, S. 241, Kat. Nr. 251 Slg.-Kat. Maximilian Speck von Sternburg. Ein Europäer der Goethezeit als Kunstsammler, hrsg. von Herwig Guratzsch, Leipzig: Seemann, 1998, , Kat. Nr. 96 Slg.-Kat. Trnek, Renate, Die holländischen Gemälde des 17. Jahrhunderts in der Gemäldegalerie der Akademie der Bildenden Künste in Wien, Wien : Böhlau, 1992, ., S. 295-298
Zitiervorschlag/Permalink Adriaen van Ostade, Die Bänkelsängerin (Vorleserin), 1644, Öl auf Eichenholz, Maximilian Speck von Sternburg Stiftung im Museum der bildenden Künste Leipzig, Copyright Abb. © Museum der bildenden Künste Leipzig, Foto: InGestalt/Michael Ehritt, Lizenz: CC BY-NC-ND, https://mdbk-digital.de/detail/collection/eac1e236-e6c1-479b-87d1-a474f1bccf3d
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