Objektabbildung zoomen

Wolfgang Mattheuer,  
Gesichtzeigen (Mann mit Maske), 1979

 

Am 1. März 1971 schreibt Wolfgang Mattheuer in seinem Tagebuch über das Moment der Entblößung im künstlerischen Tun: „Nein, jedes bildnerische, künstlerische tun entlarvt über kurz oder lang und zeigt den Kerl ganz nackt. Nackt, man muß sich’s vorstellen, in einer Gesellschaft Maskierter zu agie¬ren!“. (1) Mit der „Gesellschaft Maskierter“ spricht Mattheuer deutlich das Leben in der DDR an, das mit Blick auf die Kontrollen der Staatssicherheit von Misstrauen geprägt war.

Ein weit verbreitetes Motiv in der Kunst aus der DDR bildet die Maske. Sie taucht in Mattheuers Werk erstmals 1970 auf und wird bis in die 2000er Jahre hinein Teil seiner Motivwelt bleiben. In dieser Zeit entwickelt Mattheuer verschiedene Maskentypen: neben Kastenmasken treten auch Schafs- und Theatermasken wie sie im Gemälde „Das tragische Ende eines Unerkannten“ (1971, MdbK), der Bronzeskulptur „Gesichtzeigen“ (1979) und den Holzschnitten „Das tragische Ende eines Unerkannten“ (1973, MdbK) und „Zwiespalt“ (1979, MdbK) zu sehen sind. Mattheuer setzt sich hierbei selbst ins Bild. In der Skulptur „Gesichtzeigen“ (2) hält er sich eine Schafsmaske über die rechte Gesichtshälfte. Seine rechte Hand ist zur Faust geballt und zeugt von Härte und Wut. Mattheuers Maskeraden erzählen von innerem Zwiespalt, von Haltung und Enthüllung.

Jenny Graser

(1) Wolfgang Mattheuer, 1. März 1971, in: Wolfgang Mattheuer: Aus meiner Zeit. Tagebuchnotizen und andere Aufzeichnungen, Stuttgart/Leipzig 2002, S. 41.

(2) Wolfgang Mattheuer. Werkverzeichnis der Plastiken und Objekte, Edition Galerie Schwind, Frankfurt am Main 2005, ohne Seite, Nr. WV/S 5.

Systematik Plastik

Material/Technik Bronze

Maße 215 x 85 x 77 cm (Objektmaß (H x B x T)) 350 kg (Gewicht)

Erwerbung 1998 Schenkung von Fritz und Waltraud Mayer, Frankfurt a. M.

Inventar-Nr. P 827