Objektabbildung zoomen

David Teniers der Jüngere,  
Der Alchemist, um 1670

 

Ein Alchemist en face in pelzbesetztem Rock und mit einer Pelzmütze prüft mit kritischem Blick die goldbraune Flüssigkeit in einer Phiole. Auf einem Tisch zu seiner Linken sind weitere Flüssigkeiten und Substanzen in Phiolen und anderen Behältnissen aufgereiht, ebenso in einer Wandnische und auf einem Holzbrett im Hintergrund, unter dem ein Tierschädel hängt. Teniers d. J. hat den Typus des Alchemisten während seiner gesamten Schaffenszeit dargestellt. Das Leipziger Bild zeichnet sich durch eine ökonomische, z. T. dünne Malweise, ein zurückhaltendes, auf violettgraue und ockerfarbene Töne konzentriertes Kolorit sowie die meisterhafte Modellierung verschiedenartiger Oberflächen aus. Die exotische Kostümierung des Alchemisten im Pelz, die Teniers d. J. sonst für Militär- oder Edelleute reservierte, hat Klinge im Sinne eines „angeeigneten Statussymbols“ als Zeichen der Anmaßung interpretiert.(1) Sie erscheint wieder auf dem stilistisch verwandten Bild Der Dorfarzt in Karlsruhe (Staatliche Kunsthalle, Inv.-Nr. 195). Der Alchemist, ein in der niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts populäres Motiv, wurde als Sinnbild pseudowissenschaftlicher Hybris und Torheit verstanden.(2) Sein zum Scheitern verurteiltes Bemühen, den Stein der Weisen oder Gold mittels geheimer Wissenschaften zu erschaffen, war ein Symbol für unnützen Zeitvertreib. Bemerkenswert ist eine im Vergleich zu einem von Klinge als frühes Selbstbildnis des Teniers d. J. angesprochenen Porträt in Elmira, N. J., Arnot Art Museum, auffällige Ähnlichkeit der Gesichtszüge.(3) Gegen die Annahme, dass es sich bei Der Alchemist um ein Selbstbildnis in der Rolle des Alchemisten handelt, sprechen das Fehlen jeden Hinweises auf die Malerei und die negativen Assoziationen um den Alchemisten. Zudem dürfte Teniers d. J. um 1670 erheblich älter ausgesehen haben.(4)

Jan Nicolaisen

(1) Vgl. Ausst.-Kat. Karlsruhe 2005, S. 302.
(2) Vgl. Henkel/Schöne 1967, Sp. 1059; Kat. Braunschweig 2003, S. 102f.
(3) Vgl. Ausst.-Kat. Karlsruhe 2005, S. 14, Abb. 3.
(4) Stilistisch verwandt ist ein Zahnbrecher von David Teniers d. J. (Museumslandschaft Hessen Kassel, Gemäldegalerie Alte Meister, Inv.-Nr. GK 144); vgl. Ausst.-Kat. Karlsruhe 2005, Nr. 100 (dort um 1670 datiert).

Systematik Gemälde

Material/Technik Öl auf Holz

Maße 32,9 x 34,1 cm (Bildmaß)

Erwerbung 1916 Erwerbung aus der Sammlung Alfred Thieme, Leipzig

Inventar-Nr. G 1065