Objektabbildung zoomen

Adriaen van de Velde,  
An der Flussmündung, 1658

 

Auf einer kleinen Landzunge an einer Flussmündung sind ein Pferd, zwei Schafe und ein Ziegenbock vor dem Ausblick auf den weiten Fluss und Himmel dargestellt. Am jenseitigen Ufer haben zwei Boote bei einem Fährhaus angelegt, deren Segel in der Windstille schlaff herabhängen. Die atmosphärische Dichte der Naturschilderung ist bemerkenswert. Der gerade 22-jährige Maler beherrscht die Luft- und Farbperspektive meisterhaft, wie die dunstigen Farben und das glasige Licht im Hintergrund zeigen. Eine Voraussetzung hierfür bildete das genaue Naturstudium des Künstlers. Zum verfeinerten Ausdruckswert von Licht und Farbe setzt das nahsichtige Viehstück im Vordergrund einen markanten Kontrapunkt. Van de Velde schuf nur während eines kurzen Zeitraums zu Beginn seiner Laufbahn solche Flusslandschaften, als deren früheste das Leipziger Bild gilt.(1) Der Bildaufbau zeigt den Einfluss der späten Flusslandschaften Salomon van Ruysdaels aus den 1650er Jahren, ist aber in den Details feiner, atmosphärischer und durchlichteter gestaltet. Der Künstler nutzt farbliche Ausdrucksmittel wie das Weiß der Segel oder die zarten Reflexionen des Lichtes auf dem glatten Wasserspiegel für einen stimmungsvollen Natureindruck. Sogar Bode (1900) ließ sich durch die malerischen Reize des kleinformatigen Bildes zu einer seltenen elegischen Beschreibung hinreissen: „die Wahrheit und Feinheit in der Schilderung des heissen Sommermorgens ist unübertrefflich, der weisse Dunst, der über dem spiegelglatten Meere in der Ferne liegt und den Horizont kaum ahnen lässt, die träge Bewegungslosigkeit der Tiere, die schlaffen Segel des Bootes, alles atmet diese warme sonntägliche Stille in der Natur. [...] Das Bild ist ganz erfüllt von Licht und Duft und doch von feiner Lokalfärbung und delikatester Zeichnung.“

Jan Nicolaisen

(1) Stilistisch verwandt sind die Flusslandschaften van de Veldes in Berlin (SMB, Gemäldegalerie, HdG 348) und London (The National Gallery, Inv.-Nr. 2572, 1661 datiert). Zu den Unterschieden innerhalb der Gruppe vgl. Stechow 1966, S. 60f. Die Tiere sind auch auf späteren Landschaften ein bevorzugtes Motiv des Künstlers (London, The National Gallery, Inv.-Nr. 983). Im gleichen Jahr 1658 schuf van de Velde als ein frühes Meisterwerk den Strand von Scheveningen (Museumslandschaft Hessen Kassel, Gemäldegalerie Alte Meister, Inv.-Nr. GK 374), das dem Leipziger Bild in seiner Helligkeit verwandt ist.

Systematik Gemälde

Material/Technik Öl auf Holz

Maße 24,3 x 32,6 cm (Bildmaß)

Erwerbung 1916 Erwerbung aus der Sammlung Alfred Thieme, Leipzig

Inventar-Nr. G 1068