Objektabbildung zoomen

Theresa Rothe,  
Guess I'm a Coward, 2024

 

Die Arbeit verhandelt Angst als persönlichen und gesellschaftlichen Zustand. Die großformatige grüne Figur erhebt sich über die Betrachtenden und öffnet zugleich einen physischen Raum: Man kann unter ihr hindurchgehen. Dadurch entsteht zunächst der Eindruck von Zugänglichkeit und Nähe. Gleichzeitig entzieht sich die Arbeit diesem Moment wieder — ihre überlangen Beine strecken den Körper in die Höhe, als wolle er Distanz schaffen oder sich dem direkten Kontakt entziehen.

Die Skulptur bewegt sich damit in einem Spannungsfeld zwischen Annäherung und Rückzug. Das leicht schräge Lächeln wirkt weder eindeutig freundlich noch bedrohlich, sondern vermittelt eine fragile Form von Selbstbehauptung. Der Titel "Guess, I am a Coward" (Ich schätze, ich bin ein Feigling) formuliert dabei eine ungewohnte Offenheit: Nicht Stärke oder Souveränität stehen im Vordergrund, sondern das Eingeständnis von Unsicherheit, Überforderung und Ängstlichkeit.

Das Bedürfnis, sich „nach oben“ zurückzuziehen, erscheint in der Arbeit als paradoxer Versuch des Verschwindens. Trotz ihrer Größe und der intensiven Farbigkeit bleibt die Figur unübersehbar. Die Skulptur scheitert gewissermaßen an ihrer eigenen Sichtbarkeit und verweist damit auf einen gegenwärtigen gesellschaftlichen Zustand, in dem Rückzug zwar zunehmend notwendig erscheint, jedoch kaum mehr möglich ist. In einer Zeit sozialer Bewertung und emotionaler Überreizung wird Verletzlichkeit häufig verborgen oder überspielt, obwohl sie viele soziale Erfahrungen grundlegend prägt.

Die Arbeit versteht Angst nicht ausschließlich als individuelles Gefühl, sondern als Ausdruck kollektiver Unsicherheit — als Reaktion auf gesellschaftliche Spannungen, Isolation und den Druck, jederzeit funktionieren zu müssen. Gleichzeitig formuliert "Guess, I am a Coward" den vorsichtigen Versuch, mit diesen Empfindungen Frieden zu schließen: nicht durch Überwindung oder Verdrängung, sondern durch Anerkennung der eigenen Fragilität.

Theresa Rothe schafft mit der Arbeit eine Figur, die sich weder eindeutig entzieht noch vollständig öffnet. Gerade in dieser Ambivalenz entsteht ein Raum, in dem Nähe, Scham, Schutzbedürfnis und der Wunsch nach Verbindung gleichzeitig bestehen können.

Systematik Objekt / Installation

Material/Technik Stahl, Vierkantdraht, Fellstoffe, Silikon, Glasaugen, Synthetikhaare

Maße ca. 250 x 300 x 100 cm (Objektmaß (H x B x T))

Erwerbung Leihgabe Theresa Rothe, Leipzig