Objektabbildung zoomen

Thomas Wijck,  
Der Alchemist, um 1655

 

In einer Studierstube, die mit alten Folianten, Zetteln und zahlreichen Gerätschaften überquillt, sitzt ein Alchemist neben dem Fenster am Schreibtisch unter einem roten Vorhang und liest. In verschiedenartigen Behältnissen, die, betont unordentlich, im Raum verteilt sind, werden die Ingredienzen des Alchemisten aufbewahrt. Wijck schuf neben italianisanten Hafen- und Straßenbildern viele Alchemistendarstellungen, die wohl nicht nur aufgrund ihres moralischen Gehaltes – der Warnung vor unnützem Zeitvertreib und menschlicher Anmaßung – beliebt waren, sondern auch aufgrund ihrer stilllebenhaften Qualitäten. Houbraken pries die Alchemistenbilder Wijcks als „Laboratorien of Goudmakeryen met [...] een onbedenkelyke menichte van gereedschappen [...] die alle so geestig van hem bedacht, konstig geschickt, vast getekent [...] seyn“ (Laboratorien oder Goldmachereien mit einer ungewöhnlichen Menge von Gerätschaften [...], die alle so geistreich erfunden, kunstvoll angeordnet und sicher gezeichnet sind).(1) Da der Künstler seine Alchemistendarstellungen aus einem wiederkehrenden Motivrepertoire zusammensetzte, besitzen sie oftmals einen etwas additiven Charakter.(2) Das kühle Kolorit und die Bevorzugung eines Rot-Blau-Weiß-Farbakkords zeigen den Einfluss von David Teniers d. J., der das Sujet mehrfach malte.

Jan Nicolaisen

(1) Houbraken 1718–21, Bd. 2, S. 14.
(2) Vgl. die zum Teil gleichen Motive auf den drei Alchemistenbildern Wijcks, Museumslandschaft Hessen Kassel, Gemäldegalerie Alte Meister, Inv.-Nrn. GK 332–334.

Systematik Gemälde

Material/Technik Öl auf Leinwand

Maße 63,6 x 50,3 (Bildmaß)

Erwerbung 1858 Schenkung von Carl Lampe, Leipzig

Inventar-Nr. G 292