Objektabbildung zoomen

Christoffel Pierson,  
Stillleben mit Jagdgerät, um 1675

 

An einer weiß gekalkten Wand hängen verschiedene Jagdgerätschaften zur Vogeljagd. Zwei Flinten in gegensätzlichen Richtungen liegen auf Haken über einem hölzernen Vogelkäfig für den Lockvogel und einem schwarzen Vogelnetz. Dazwischen baumelt in der Mitte eine Leinentasche, aus der ein Flügel herausragt.(1) Unterhalb der Flinten liegen ein asiatischer Bogen und der zugehörige Köcher mit Pfeilen. Außerdem hängen zwei Falkenhauben sowie Jagd- und Pulverhörner, Waidbesteck und Jagdflöten an verschiedenfarbigen Bändern herab. Die Anordnung der Gegenstände folgt einer lockeren Symmetrie, deren Mittelachse die Jagdtasche markiert.(2) Durch die grafischen Linien der Bänder, Schleifen und des Netzes wird diese Struktur ornamental überspielt. Durch den annähernd lebensgroßen Maßstab, die weiße Wand und den Lichteinfall von links mit markanten Schlagschatten besitzt das Bild Eigenschaften eines Trompe-l’Œil. Tatsächlich mochte das Bild, wenn es an einer kahlen weißen Wand aufgehängt wurde, den Betrachter auf den ersten Blick täuschen. Derartige Bilder hießen im zeitgenössischen Sprachgebrauch bedriegertjes (Betrügereien). Diese Spezialform des Stilllebens war vor allem in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts populär.(3) Sie erfüllte auf unterhaltsame Weise den realistischen Anspruch an die Malerei. Pierson, dem das Werk bereits in der Sammlung von Harck zugeschrieben war, malte zahlreiche Bilder von Jagdgerätschaften; nach Houbraken reagierte er damit auf eine große Nachfrage.(4) Stilistisch nahestehend sind seine signierten Bilder in Nürnberg und Haarlem.(5) Eine Chronologie der Jagdstillleben Piersons wird dadurch erschwert, dass sie keinen erkennbaren stilistischen Wandel zeigen.(6) Da die Vogeljagd im Unterschied zur Nieder- und Hochwildjagd nicht nur Adelskreisen vorbehalten, sondern auch Bürgerlichen erlaubt war, spezialisierten sich zahlreiche Stilllebenmaler auf diesen Motivkreis.(7)

Jan Nicolaisen

(1) Hierbei dürfte es sich nicht um einen erlegten Vogel handeln, sondern um den Beizflügel, der vom Falkner an einer Leine durch die Luft geschleudert wird, um den Jagdfalken zurückzulocken.
(2) Pierson betont auf allen Trompe-l’Œil-Bildern die Struktur der Komposition.
(3) Vgl. Ausst.-Kat. Washington 2002; Grootenboer 2005.
(4) Vgl. Ausst.-Kat. Schiedam/Gouda 1986/87, S. 9.
(5) Vgl. Kat. Nürnberg 1995, Nr. 83–85; Kat. Haarlem 2006, Nr. 364.
(6) Vgl. Willigen/Meijer 2003, S. 161.
(7) Ein weiterer Spezialist für Stillleben mit Jagdgerätschaften war der in Den Haag tätige Johannes Leemans (ca. 1633–88), dem Stillleben mit Jagdgerät aufgrund stilistischer Ähnlichkeiten lange zugeschrieben war. Die Malweise der Jagdstillleben von Leemans ist jedoch härter, weniger tonig und kontrastreicher. Vgl. ein Stillleben des Künstlers in der Slg. SØR Rusche, Raupp 2004, Bd. 5, S. 58, Nr. 32, sowie ein 1675 datiertes Vogeljagdstillleben in Delft (Prinsenhof, Leihgabe des Rijksmuseums Amsterdam). Zu Leemans vgl. auch Buijsen 1998, S. 37f., 324.

Systematik Gemälde

Material/Technik Öl auf Leinwand

Maße 105,2 x 135,2 cm (Bildmaß)

Erwerbung 1927 Schenkung von Fritz von Harck, Leipzig

Inventar-Nr. G 1173