Christoffel Pierson
Stillleben mit Jagdgerät; um 1675
Museum der bildenden Künste Leipzig, Foto: InGestalt/Michael Ehritt, Lizenz: CC BY-NC-ND
Christoffel Pierson, …
Stillleben mit Jagdgerät, um 1675
An einer weiß gekalkten Wand hängen verschiedene Jagdgerätschaften zur Vogeljagd. Zwei Flinten in gegensätzlichen Richtungen liegen auf Haken über einem hölzernen Vogelkäfig für den Lockvogel und einem schwarzen Vogelnetz. Dazwischen baumelt in der Mitte eine Leinentasche, aus der ein Flügel herausragt.(1) Unterhalb der Flinten liegen ein asiatischer Bogen und der zugehörige Köcher mit Pfeilen. Außerdem hängen zwei Falkenhauben sowie Jagd- und Pulverhörner, Waidbesteck und Jagdflöten an verschiedenfarbigen Bändern herab. Die Anordnung der Gegenstände folgt einer lockeren Symmetrie, deren Mittelachse die Jagdtasche markiert.(2) Durch die grafischen Linien der Bänder, Schleifen und des Netzes wird diese Struktur ornamental überspielt. Durch den annähernd lebensgroßen Maßstab, die weiße Wand und den Lichteinfall von links mit markanten Schlagschatten besitzt das Bild Eigenschaften eines Trompe-l’Œil. Tatsächlich mochte das Bild, wenn es an einer kahlen weißen Wand aufgehängt wurde, den Betrachter auf den ersten Blick täuschen. Derartige Bilder hießen im zeitgenössischen Sprachgebrauch bedriegertjes (Betrügereien). Diese Spezialform des Stilllebens war vor allem in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts populär.(3) Sie erfüllte auf unterhaltsame Weise den realistischen Anspruch an die Malerei. Pierson, dem das Werk bereits in der Sammlung von Harck zugeschrieben war, malte zahlreiche Bilder von Jagdgerätschaften; nach Houbraken reagierte er damit auf eine große Nachfrage.(4) Stilistisch nahestehend sind seine signierten Bilder in Nürnberg und Haarlem.(5) Eine Chronologie der Jagdstillleben Piersons wird dadurch erschwert, dass sie keinen erkennbaren stilistischen Wandel zeigen.(6) Da die Vogeljagd im Unterschied zur Nieder- und Hochwildjagd nicht nur Adelskreisen vorbehalten, sondern auch Bürgerlichen erlaubt war, spezialisierten sich zahlreiche Stilllebenmaler auf diesen Motivkreis.(7)
Jan Nicolaisen
(1) Hierbei dürfte es sich nicht um einen erlegten Vogel handeln, sondern um den Beizflügel, der vom Falkner an einer Leine durch die Luft geschleudert wird, um den Jagdfalken zurückzulocken.
(2) Pierson betont auf allen Trompe-l’Œil-Bildern die Struktur der Komposition.
(3) Vgl. Ausst.-Kat. Washington 2002; Grootenboer 2005.
(4) Vgl. Ausst.-Kat. Schiedam/Gouda 1986/87, S. 9.
(5) Vgl. Kat. Nürnberg 1995, Nr. 83–85; Kat. Haarlem 2006, Nr. 364.
(6) Vgl. Willigen/Meijer 2003, S. 161.
(7) Ein weiterer Spezialist für Stillleben mit Jagdgerätschaften war der in Den Haag tätige Johannes Leemans (ca. 1633–88), dem Stillleben mit Jagdgerät aufgrund stilistischer Ähnlichkeiten lange zugeschrieben war. Die Malweise der Jagdstillleben von Leemans ist jedoch härter, weniger tonig und kontrastreicher. Vgl. ein Stillleben des Künstlers in der Slg. SØR Rusche, Raupp 2004, Bd. 5, S. 58, Nr. 32, sowie ein 1675 datiertes Vogeljagdstillleben in Delft (Prinsenhof, Leihgabe des Rijksmuseums Amsterdam). Zu Leemans vgl. auch Buijsen 1998, S. 37f., 324.
Beteiligte Christoffel Pierson (1631 - 1714)
Titel Stillleben mit Jagdgerät
Entstehungszeit um 1675
Systematik Gemälde
Material/Technik Öl auf Leinwand
Technik Öl auf Leinwand
Signatur Unbez.
Referenz Niederländische Malerei 259 (Bestandskatalog)
Creditline Museum der bildenden Künste Leipzig
Literatur Slg.-Kat. Niederländische Malerei 1430-1800. Museum der bildenden Künste Leipzig. Unter Mitarbeit von Rüdiger Beck bei den gemäldetechnologischen Untersuchungen, hrsg. von Maximilian Speck von Sternburg Stiftung im Museum der bildenden Künste Leipzig, Leipzig: Seemann, 2012, S. 247, Kat. Nr. 259 Slg.-Kat. Pieter Biesboer, Painting in Haarlem 1500 - 1850, Ghent : Ludion, 2006, ., Kat. Nr. 364 Hanneke Grootenboer, The rhetoric of perspective, Chicago : University of Chicago Press, 2005. Niederländische Malerei des 17. Jahrhunderts der SØR-Rusche-Sammlung. V. Stilleben und Tierstücke, hrsg. von Hans-Joachim Raupp, 5, Münster : LIT, 2004, ., S. 58 Adriaan van der Willigen, A dictionary of Dutch and Flemish still-life painters working in oils, 1525-1725, Leiden : Primavera Press, 2003, ., S. 161 Ausst.-Kat. Sybille Ebert-Schifferer, Deceptions and illusions : five centuries of trompe l'oeil painting, <br class="linefeed" />Washington : National Gallery of Art, 2002. Aust.-Kat. Haagse Schilders in de Gouden Eeuw. Het Hoogsteder Lexicon van alle schilders werkzaam in Den Haag 1600-1700., hrsg. von Edwin Buijsen, Zwolle : Waanders, 1998., S. 37f., 324 Slg.-Kat. Andreas Tacke , Die Gemälde des 17. Jahrhunderts im Germanischen Nationalmuseum, Mainz : von Zabern, 1995, ., S. 83-85 Ausst.-Kat. Josine Bokhoven, Leven en werk van Christoffel Pierson (1631 - 1714). "Den kloeken rijmer en konstrijken schilder", <br class="linefeed" />Schiedam : Stichting Fondsenwerving ten Behoeve van de Kunst in Schiedam, 1986., S. 9
Zitiervorschlag/Permalink Christoffel Pierson, Stillleben mit Jagdgerät, um 1675, Öl auf Leinwand, Museum der bildenden Künste Leipzig, Copyright Abb. © Museum der bildenden Künste Leipzig, Foto: InGestalt/Michael Ehritt, Lizenz: CC BY-NC-ND, https://mdbk-digital.de/detail/collection/12954d5d-aa2f-452f-92d3-a3fbdfe96a36
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