Objektabbildung zoomen

Theresa Rothe,  
Maybe, Maybe not, 2026

 

Die Figur "Maybe, Maybe Not" (Vielleicht, vielleicht auch nicht) beschäftigt sich mit Zuständen des Zweifelns, Schwankens und Nicht-Wissens. Die etwa drei Meter hohe Figur erscheint zugleich präsent und instabil — ein Wesen im Zustand permanenter innerer Aushandlung. Im Zentrum der Arbeit steht ein rotierender Kopf mit zwei unterschiedlichen Gesichtern: Während die eine Seite einen seitlichen, beinahe misstrauischen Blick zeigt, wirkt die andere melancholisch und in sich gekehrt.

Das sogenannte side eye – ein skeptischer Blick von der Seite also – verweist auf eine lange kunsthistorische Tradition des indirekten Sehens. Anders als der frontale Blick entzieht er sich einer eindeutigen Positionierung und erzeugt Ambivalenz: Beobachtung, Skepsis, Ironie oder Unsicherheit bleiben gleichzeitig lesbar. In "Maybe, Maybe Not" wird dieser Blick zu einem Ausdruck sozialer Selbstverortung – eines tastenden Prüfens der Umgebung und der eigenen Rolle innerhalb dieser.
Die zweite Gesichtshälfte offenbart hingegen eine stille Traurigkeit über das Ausbleiben von Klarheit. Die Arbeit beschreibt damit einen Zustand zwischen Entscheidung und Aufschub, zwischen dem Wunsch nach Orientierung und der Schwierigkeit, eigene Bedürfnisse oder Haltungen eindeutig benennen zu können.

Verstärkt wird dieser Eindruck durch die Körperlichkeit der Figur: Überlange, dünne Arme und Beine stehen verkürzten Fingern und Zehen gegenüber, wodurch der Körper zugleich beweglich und dysfunktional erscheint. Die Gliedmaßen wirken nur eingeschränkt nutzbar, als würden Handlungsmöglichkeiten zwar angedeutet, jedoch nie vollständig zur Verfügung stehen.
Der zu kleine Hut fungiert als subtiles humoristisches Element. Er erinnert an Versuche, Souveränität, Seriosität oder Kontrolle auszustrahlen, obwohl diese Fassade jederzeit zu kippen droht. Das Accessoire wird zum Symbol eines performativen Sich-Zurechtfindens in Situationen, in denen Orientierung fehlt und Rollen lediglich improvisiert werden.

Mit "Maybe, Maybe Not" richtet Theresa Rothe den Blick auf emotionale Zustände, die häufig verborgen bleiben, weil sie widersprüchlich, unangenehm oder schwer artikulierbar sind. Die Arbeit schafft Raum für Unsicherheit als reale menschliche Erfahrung — nicht als Defizit, sondern als Teil psychischer und sozialer Wirklichkeit.

Systematik Objekt / Installation

Material/Technik Fellstoff, Eisenstahl, Latex, Silikon, synthetische Füllwolle, Volierengitter, Filz, Modelliermasse, Motor

Maße ca. 250 x 150 x 150 cm (Objektmaß (H x B x T))

Erwerbung Leihgabe Theresa Rothe, Leipzig