Objektabbildung zoomen

Gerrit Berckheyde,  
Der Große Markt mit St. Bavo in Haarlem, 1683

 

Als monumentales Bauwerk erhebt sich die Grote Kerk in Haarlem über dem belebten Marktplatz. Zwischen 1665 und 1696 entstanden nach Lawrence (1991) etwa 29 Versionen der Grote Kerk von Berckheyde, der dem Stadtpatron St. Bavo gewidmeten Hauptkirche Haarlems. Immer erscheint die Kirche im architektonischen Kontext des Marktplatzes, der das wirtschaftliche und politische Zentrum der Stadt bildete. Die Vielzahl der Varianten im Hoch- und Querformat unterstreicht die Popularität des Motivs.(1) Wie auf allen Fassungen liegt die Westfassade der gotischen Kirche im hellen Sonnenlicht.(2) Auf der Kirchturmuhr stehen die Zeiger auf etwa 13:35 Uhr, entsprechend hoch steht die Sonne und wirft markante Schlagschatten. Die Menschen auf dem Marktplatz entstammen einer wohlhabenden Gesellschaftsschicht, wie ihre vornehme Kleidung und das gesittete Benehmen demonstrieren. Berckheyde, der ein hervorragender Figurenzeichner war, hat die Menschen zwar mit Details (wie Schleifen an den Schuhen) präzise wiedergegeben, sie jedoch der perspektivischen Wirkung des Bildes untergeordnet. Sie sind, zu Gruppen angeordnet, jeweils auf einer Linie platziert, um die sprunghafte Verkürzung des Tiefenraums plausibel zu machen. Topografisch exakte Ansichten besaßen in Haarlem eine durch die Druckgrafik geprägte Tradition.(3)

Jan Nicolaisen

(1) Auch der Leipziger Sammler G. Winckler besaß eine Ansicht der St.-Bavo-Kirche. Vgl. Kreuchauf 1768, Nr. 273.
(2) Im Frans Hals Museum in Haarlem (Inv.-Nr os 75-313) befindet sich eine 1696 datierte Variante, deren Schatten gleich verlaufen.
(3) Vgl. H. Leeflang, Rezension von C. Levesque, Journey through landscape in seventeenth century Holland: the Haarlem print series and Dutch identity, in: Simiolus 23, 1995, S. 273–280.

Systematik Gemälde

Material/Technik Öl auf Leinwand

Maße 40,8 x 51 cm (Bildmaß)

Erwerbung 1996 Dauerleihgabe der Maximilian Speck von Sternburg Stiftung, Leipzig

Inventar-Nr. G 1555