Objektabbildung zoomen

David Teniers der Jüngere,  
Bauern beim Kartenspiel, 1633

 

Zwei Kontrahenten hocken auf dem Boden und spielen auf einer Holzkiste Karten. Fünf Bauern verfolgen das Geschehen. Die Szene spielt in einem dunklen, kellerartigen Raum, der nur durch eine Fensteröffnung an der linken Wand Tageslicht erhält, in der ein Kauz sitzt. Der Wirt oder die Wirtin betritt soeben mit einem Bierkrug das Interieur. Auf dem Boden sind jeweils am linken und rechten vorderen Bildrand stilllebenartig Bierkrüge, ein Fass, ein Besen, ein kaputter Pfeifenstummel und ein zerschlissener Pantoffel zusammengestellt. Der Raum wirkt kahl und ist in ein schummriges Halbdunkel getaucht.(1) Allein die blaue und gelbe Kleidung der Männer setzt farbige Akzente. Der Blick durch das geöffnete Fenster betont den Gegensatz zwischen heller Außenwelt und dunkler Spielhölle. Das Bild gehört zur Gruppe der frühesten erhaltenen, signierten und datierten Bilder von David Teniers d. J. aus dem Jahre 1633. Teniers schuf in dieser Zeit einige Wirtshausdarstellungen, die einander hinsichtlich Komposition, Lichtführung, Kolorit und Figurenzeichnung nahestehen.(2) Er orientierte sich eng an Vorbildern von Adriaen Brouwer, der sich ein Jahr zuvor in Antwerpen niedergelassen hatte.(3) Die emotionale Zurschaustellung heftiger Gefühle bei Brouwer ist zugunsten einer eher beschaulichen Darstellung zurückgenommen. So ist an den Mienen der Spieler kein Gewinner oder Verlierer zu erkennen. Es sind auch keine Hinweise auf einen zukünftigen Streit gegeben. Umso detaillierter sind die Reflexionen des Lichtes auf den Gesichtern, Kleidungsstücken und Gegenständen wie den Spielkarten oder Tonkrügen. Es hat den Anschein, als ob Teniers d. J. weniger Interesse an einer emotionalen, als vielmehr an einer ästhetischen Durchdringung des Themas gehabt hat. Dennoch bleibt die moralische Verwerflichkeit des Kartenspiels dem Betrachter offensichtlich, nicht zuletzt durch das Motiv des Kauzes auf der Fensterbank, das auch auf den genannten Frühwerken erscheint. Wegen ihrer Tagblindheit verkörperte die Eule die Unfähigkeit zur Selbsterkenntnis, gemäß dem Sprichwort „Was helfen Kerze und Brill’, wenn die Eule nicht sehen will“.(4) Die Anfertigung des Bildes auf einer (gegenüber Leinwand oder Holz) teuren Kupfertafel könnte die Ambition des jungen Malers zeigen, qualitätvolle Werke zu schaffen, die einen gehobenen Geschmack von Kunstsammlern befriedigten, oder aber für ein Auftragswerk sprechen. Das Thema der Kartenspieler hat Teniers d. J. auf zahlreichen Bildern in späterer Zeit variiert.

Jan Nicolaisen

(1) In der perspektivischen Wiedergabe des Raumes zeigen sich leichte Unsicherheiten des 23-jährigen Malers.
(2) Hierzu zählen Kartenspielende Bauern, 1633 (Museumslandschaft Hessen Kassel, Gemäldegalerie Alte Meister, Inv.- Nr. GK 139); Zechende und rauchende Bauern in der Schenke, 1634 (Staatliche Kunsthalle Karlsruhe, Inv.-Nr. 1902). Vgl. Klinge-Gross 1969, S. 181, Anm. 3.
(3) Für eine ähnliche Raumdisposition vgl. A. Brouwer, Wirtshausszene mit schlafendem Mann, 1630er Jahre (München, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Alte Pinakothek, Inv.-Nr. 2014).
(4) Vgl. Ausst.-Kat. Karlsruhe 2005, S. 90, Anm. 4.

Systematik Gemälde

Material/Technik Öl auf Kupfer

Maße 24,8 x 32,2 cm (Bildmaß)

Erwerbung 1916 Erwerbung aus der Sammlung Alfred Thieme, Leipzig

Inventar-Nr. G 1066