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Ankauf einer Zeichnung von Max Klinger durch die Förderer des Museums der bildenden Künste e. V. im Jahr 2025

 

Die Förderer des Museums der bildenden Künste Leipzig e. V. haben eine Zeichnung von Max Klinger aus dem Kunsthandel für das MdbK erworben. Die Zeichnung ist nicht nur von hoher künstlerischer Bedeutung, sondern von ebenso großer Relevanz für die Leipziger Stadtgeschichte. Sie steht beispielhaft für das kulturelle Engagement des Leipziger Bürgertums. Mit dem Ankauf eines Kunstwerkes, das NS-verfolgungsbedingt einer Leipziger Familie entzogen wurde, übernehmen das MdbK und der Förderverein die notwendige Verantwortung für die Erinnerung an das jüdische Leben in Leipzig.

Auf der Zeichnung setzte Klinger seine Idee für den Thron der monumentalen Beethovenskulptur mit schwarzer Kreide und Grafit erstmalig um. Zu sehen ist eine Rückansicht, die erste Entwürfe für Verzierungselemente erprobt. Ein besonderer Fokus liegt auf Voluten und Putti, die der Künstler mit weißen Höhungen detailliert herausgearbeitet hat. Diese Elemente sind für die spätere Ausführung des Throns weiterhin zentral.

Klinger betitelt das Werk mit „Erster Entwurf für den Beethoven-Thron“ und widmete es Friedrich Nachod zur Erinnerung an den 6. September 1905. Auf der im Passepartout integrierten Visitenkarte ist zu lesen: „Hochverehrter Herr Consul! Vor zwei Tagen konnte endlich der Kauf der Villa Romana in Florenz geschehen, und zwar hauptsächlich durch Ihre gütige Vermittlung. Darf ich Sie bitten beifolgendes Blatt zur Erinnerung an diesen Tag anzunehmen?“ Auf die Rückseite des Blattes zeichnete Klinger möglicherweise im Kontext der Schenkung eine lila Fliederblüte mit Gouache.

Friedrich, genannt Fritz Nachod (1853-1911) entstammt einer wichtigen jüdischen Familie aus Leipzig. Sein Vater Jacob (1814-1882) war Mitbegründer der Israelitischen Religionsgemeinde und wurde als erster Jude in die Leipziger Stadtverordnetenversammlung gewählt. Gemeinsam mit Friedrichs Frau Marie (geb. Eisner, 1859-1934) und ihren drei Söhnen Walter (1880-1946), Hans (1885-1958) und Georg (1889-1945) war die Familie Nachod Teil des Leipziger Großbürgertums. Sie waren sozial engagiert und fester Bestandteil des Leipziger Kulturlebens. Mit Beginn des Nationalsozialismus wurde die Familie verfolgt. Die Söhne emigrierten nach USA und der Besitz der Familie, wie auch diese Zeichnung, ging in der Folge der Flucht verloren. Die Zeichnung befand sich bis 2025 in Privatbesitz. Die damaligen Eigentümer*innen konnten sich mit den Nachfahr*innen der Familie Nachod gütlich einigen und ebneten so den Weg für den Ankauf durch die Förderer des MdbK.

Mit Max Klinger verband Friedrich Nachod eine enge Bekanntschaft. Dies spiegelt sich vor allem in den überlieferten Briefen von Klinger an den Leipziger Verleger und gemeinsamen Freund Georg Hirzel (1867-1924). Zu Dritt hatten sie ein ambitioniertes Projekt. Sie wollten ein Künstlerhaus in Florenz einrichten, in dem Kunstschaffende mit einem Stipendium frei arbeiten können. Ein zusätzlich gegründeter Verein sollte für die finanzielle Absicherung sorgen. Hirzel, Klinger und Nachod bildeten dessen Vorstand. Die Zusammenarbeit der drei Leipziger endete abrupt mit dem plötzlichen Tod Nachods 1911. Die bis heute bestehende Villa Romana beherbergte seit ihrer Gründung im Jahr 1905 über 200 Künstler*innen. Klingers Widmung der Zeichnung an Friedrich Nachod steht in diesem Kontext. Damit ist sie Zeugnis für die enge Verbindung der Familie mit dem Künstler und gleichzeitig für das überregionale Agieren der Leipziger zur Unterstützung der bildenden Kunst.