Rachel Ruysch
Stillleben mit Blumen und Früchten; 1707
Museum der bildenden Künste Leipzig, Foto: InGestalt/Michael Ehritt, Lizenz: CC BY-NC-ND
Rachel Ruysch, …
Stillleben mit Blumen und Früchten, 1707
Ein prächtiger Blumenstrauß mit Früchten auf einer Marmorkonsole bietet dem Auge eine Vielzahl verschiedenartiger Pflanzenspezies, Farben, Formen und Bewegungen. Durch die Dichte der Pflanzen in der Bildmitte ist von der Blumenvase kaum etwas zu sehen. Die Stengel der Pflanzen schießen wie in einer Explosion nach oben und zu den Seiten, um die Vitalkraft natürlichen Wachstums zu veranschaulichen. Die weißen, rosa, roten und blauen Blüten leuchten intensiv vor dem dunklen Grund, ein Effekt, den Ruysch von der älteren Stilllebenmalerei übernahm. Mehr als ihre Vorgänger integriert die Künstlerin grüne Blätter neben Blüten als Elemente des Blumenstilllebens. Darüber hinaus geht sie den Blattformen dezidiert nach und gibt die Verwölbungen, Blattränder, Verfärbungen oder Fraßspuren in grellem Licht wieder. Eine Raupe klettert über ein Blatt, das ihre Fraßspuren zeigt, neben löchrigen Haselnüssen krümmt sich eine Made, winzige Ameisen laufen über die bereits braunfleckige Haut von Pfirsichen und Aprikosen. Rachel Ruysch knüpft an die Farbenpracht und Eleganz der Blumen- und Früchtestillleben Jan Davidsz. de Heems, Abraham Mignons und ihres Lehrers Willem van Aelsts an. Dem Leipziger Bild nahe stehen Blumenstillleben der Ruysch in Detroit und Brüssel (beide 1704 datiert).(1) Gegenüber ihren Vorgängern steigerte Ruysch sowohl den Grad an naturalistischer Vergegenwärtigung als auch die künstlerische Raffinesse der Wiedergabe. Ihr mikroskopischer Blick war durch die botanischen und anatomischen Forschungen ihres Vaters Frederik Ruysch (1638–1731) beeinflusst, der als erster Direktor dem 1682 gegründeten Botanischen Garten in Amsterdam vorstand.(2) Er publizierte 1692 und 1697 den ersten Katalog seltener Pflanzen des Amsterdamer Botanischen Gartens. F. Ruysch übertrug die Gefäßlehre von tierischen Lebewesen auf das Pflanzenreich. Bei Rachel Ruysch scheinen die Blätter in verschiedenen Stadien der Metamorphose von Intaktheit, Frische und Verfall nicht in erster Linie als Vanitassymbole gemeint zu sein. Sie demonstrieren vielmehr die immanente Lebenskraft der Pflanzen, die durch Parasiten und Krankheiten beschädigt werden kann. Typisch für Rachel Ruysch ist auch das Motiv von zwei Libellen, deren kleiner Flugapparat präzise wiedergegeben ist. Durch ihren Bewegungsausdruck wird ein zeitlicher Aspekt beigesteuert. Die Aufmerksamkeit, die die Künstlerin kleinen und winzigen Lebewesen im Kosmos des Blumenstraußes widmet, bringt die im 18. Jahrhundert noch lebendige, wenngleich zunehmend rhetorische Vorstellung einer göttlichen Harmonie von Makro- und Mikrokosmos zum Ausdruck. Diese traditionelle Auffassung wurde noch in der Vorrede einer 1710 erschienenen Publikation ihres Vaters bemüht, um die naturwissenschaftlichen Untersuchungen und Beschreibungen der Tiere zu legitimieren, wo es heisst: „Gods wond’ren blinken meest op’t grootste in’t allerkleenste“ (Gottes Wunder leuchten meist vom Größten zum Kleinsten“).(3)
Jan Nicolaisen
(1) Detroit Institute of Arts, Inv.-Nr. 1995.67; Brüssel, Koninklijke Musea voor Schone Kunsten van België, Inv.-Nr. 2751.
(2) Vgl. Berardi 1998, S. 110–134.
(3) Vorrede zum „Thesaurus animalium“ des Frederik Ruysch, lateinisch mit Übersetzung ins Niederländische als „Cabinet der dieren“, erster Teil, Amsterdam 1710, o. S.
Beteiligte Rachel Ruysch (1664 - 1750)
Titel Stillleben mit Blumen und Früchten
Titel englisch Still life with flowers and fruits
Entstehungszeit 1707
Systematik Gemälde
Material/Technik Öl auf Leinwand
Technik Öl auf Leinwand
Signatur Bez. u. r.: Rachel Ruysch 1707
Referenz Niederländische Malerei 291 (Bestandskatalog) SpSt (1998) I/133 (Bestandskatalog)
Creditline Maximilian Speck von Sternburg Stiftung im Museum der bildenden Künste Leipzig
Provenienz
1996 – heute: Museum der bildenden Künste Leipzig, Dauerleihgabe der Maximilian Speck von Sternburg Stiftung, Leipzig
1996: Restitution an die Erbengemeinschaft Speck von Sternburg
1952: Inventarisierung durch das MdbK
1945 – 1952: Verwahrung durch das MdbK
1945: Beschlagnahme der Sammlung Speck von Sternburg im Zuge der Bodenreform [1]
bis 1945: Kunstsammlung der Familie Speck von Sternburg, Lützschena (Ortsteil von Leipzig)
Quellen:
[1] MdbK Archiv, Karton 145, Speck von Sternburg-Archiv: Schriftwechsel 1929-1964
Literatur Slg.-Kat. Niederländische Malerei 1430-1800. Museum der bildenden Künste Leipzig. Unter Mitarbeit von Rüdiger Beck bei den gemäldetechnologischen Untersuchungen, hrsg. von Maximilian Speck von Sternburg Stiftung im Museum der bildenden Künste Leipzig, Leipzig: Seemann, 2012, S. 274, Kat. Nr. 291 Slg.-Kat. Maximilian Speck von Sternburg. Ein Europäer der Goethezeit als Kunstsammler, hrsg. von Herwig Guratzsch, Leipzig: Seemann, 1998, , Kat. Nr. 133 Marianne Berardi, Science into art. Rachel Ruysch's early development as a still-life painter, ., S. 390 Erika Gemar-Koeltzsch, Holländische Stillebenmaler im 17. Jahrhundert. 3. L - Z, 3, Lingen : Luca, 1995, Kat. Nr. 340 Maurice Harold Grant, Rachel Ruysch 1664-1750, Leigh-on-Sea : Lewis, 1956, ., Kat. Nr. 16
Zitiervorschlag/Permalink Rachel Ruysch, Stillleben mit Blumen und Früchten, 1707, Öl auf Leinwand, Maximilian Speck von Sternburg Stiftung im Museum der bildenden Künste Leipzig, Copyright Abb. © Museum der bildenden Künste Leipzig, Foto: InGestalt/Michael Ehritt, Lizenz: CC BY-NC-ND, https://mdbk-digital.de/detail/collection/4aaab331-85d5-4148-b10b-b8fed2e9f8e1
Die Werkangaben auf MdbK [digital] entsprechen dem gegenwärtigen Stand der Forschung und werden laufend aktualisiert. Das MdbK forscht kontinuierlich zu seinem Bestand und dessen Provenienzen. Wir verpflichten uns dabei, die fach- und disziplinspezifischen Standards zu wahren. MdbK [digital] ist ein Instrument, diese Forschungsergebnisse sichtbar zu machen. Wenn Sie Fragen oder Hinweise zu den Objekten haben, freuen wir uns über Ihre Nachricht.
Rachel Ruysch
- Key: 4aaab331-85d5-4148-b10b-b8fed2e9f8e1
- Module_ref: collection
- Create_date: 2010-11-12T08:55:46Z
- Change_date: 2026-08-25T08:59:03Z
- Sync_date: 2026-09-20T20:36:33Z
- Container_S: MdbK Sammlung - Malerei / Plastik
- Container_S_multi_facet: MdbK Sammlung - Malerei / Plastik
- SimpleSearch: MdbK Sammlung - Malerei / Plastik,MdbK Gemälde,G 1563,Stillleben mit Blumen und Früchten,Gemälde,Maximilian Speck von Sternburg Stiftung im Museum der bildenden Künste Leipzig,1707,1707,Bez. u. r.: Rachel Ruysch 1707,Ruysch, Rachel,Stillleben mit Blumen und Früchten,Still life with flowers and fruits ,Bez. u. r.: Rachel Ruysch 1707,G 1563,Niederländische Malerei 291,SpSt (1998) I/133,Öl auf Leinwand,Ein prächtiger Blumenstrauß mit Früchten auf einer Marmorkonsole bietet dem Auge eine Vielzahl verschiedenartiger Pflanzenspezies, Farben, Formen und Bewegungen. Durch die Dichte der Pflanzen in der Bildmitte ist von der Blumenvase kaum etwas zu sehen. Die Stengel der Pflanzen schießen wie in einer Explosion nach oben und zu den Seiten, um die Vitalkraft natürlichen Wachstums zu veranschaulichen. Die weißen, rosa, roten und blauen Blüten leuchten intensiv vor dem dunklen Grund, ein Effekt, den Ruysch von der älteren Stilllebenmalerei übernahm. Mehr als ihre Vorgänger integriert die Künstlerin grüne Blätter neben Blüten als Elemente des Blumenstilllebens. Darüber hinaus geht sie den Blattformen dezidiert nach und gibt die Verwölbungen, Blattränder, Verfärbungen oder Fraßspuren in grellem Licht wieder. Eine Raupe klettert über ein Blatt, das ihre Fraßspuren zeigt, neben löchrigen Haselnüssen krümmt sich eine Made, winzige Ameisen laufen über die bereits braunfleckige Haut von Pfirsichen und Aprikosen. Rachel Ruysch knüpft an die Farbenpracht und Eleganz der Blumen- und Früchtestillleben Jan Davidsz. de Heems, Abraham Mignons und ihres Lehrers Willem van Aelsts an. Dem Leipziger Bild nahe stehen Blumenstillleben der Ruysch in Detroit und Brüssel (beide 1704 datiert).(1) Gegenüber ihren Vorgängern steigerte Ruysch sowohl den Grad an naturalistischer Vergegenwärtigung als auch die künstlerische Raffinesse der Wiedergabe. Ihr mikroskopischer Blick war durch die botanischen und anatomischen Forschungen ihres Vaters Frederik Ruysch (1638–1731) beeinflusst, der als erster Direktor dem 1682 gegründeten Botanischen Garten in Amsterdam vorstand.(2) Er publizierte 1692 und 1697 den ersten Katalog seltener Pflanzen des Amsterdamer Botanischen Gartens. F. Ruysch übertrug die Gefäßlehre von tierischen Lebewesen auf das Pflanzenreich. Bei Rachel Ruysch scheinen die Blätter in verschiedenen Stadien der Metamorphose von Intaktheit, Frische und Verfall nicht in erster Linie als Vanitassymbole gemeint zu sein. Sie demonstrieren vielmehr die immanente Lebenskraft der Pflanzen, die durch Parasiten und Krankheiten beschädigt werden kann. Typisch für Rachel Ruysch ist auch das Motiv von zwei Libellen, deren kleiner Flugapparat präzise wiedergegeben ist. Durch ihren Bewegungsausdruck wird ein zeitlicher Aspekt beigesteuert. Die Aufmerksamkeit, die die Künstlerin kleinen und winzigen Lebewesen im Kosmos des Blumenstraußes widmet, bringt die im 18. Jahrhundert noch lebendige, wenngleich zunehmend rhetorische Vorstellung einer göttlichen Harmonie von Makro- und Mikrokosmos zum Ausdruck. Diese traditionelle Auffassung wurde noch in der Vorrede einer 1710 erschienenen Publikation ihres Vaters bemüht, um die naturwissenschaftlichen Untersuchungen und Beschreibungen der Tiere zu legitimieren, wo es heisst: „Gods wond’ren blinken meest op’t grootste in’t allerkleenste“ (Gottes Wunder leuchten meist vom Größten zum Kleinsten“).(3) <br class="linefeed" /><br class="linefeed" />Jan Nicolaisen<br class="linefeed" /><br class="linefeed" />(1) Detroit Institute of Arts, Inv.-Nr. 1995.67; Brüssel, Koninklijke Musea voor Schone Kunsten van België, Inv.-Nr. 2751. <br class="linefeed" /><br class="linefeed" />(2) Vgl. Berardi 1998, S. 110–134. <br class="linefeed" /><br class="linefeed" />(3) Vorrede zum „Thesaurus animalium“ des Frederik Ruysch, lateinisch mit Übersetzung ins Niederländische als „Cabinet der dieren“, erster Teil, Amsterdam 1710, o. S.,Slg.-Kat. Niederländische Malerei 1430-1800. Museum der bildenden Künste Leipzig. Unter Mitarbeit von Rüdiger Beck bei den gemäldetechnologischen Untersuchungen, hrsg. von Maximilian Speck von Sternburg Stiftung im Museum der bildenden Künste Leipzig, Leipzig: Seemann, 2012,Slg.-Kat. Maximilian Speck von Sternburg. Ein Europäer der Goethezeit als Kunstsammler, hrsg. von Herwig Guratzsch, Leipzig: Seemann, 1998, ,Marianne Berardi, Science into art. Rachel Ruysch's early development as a still-life painter, .,Erika Gemar-Koeltzsch, Holländische Stillebenmaler im 17. Jahrhundert. 3. L - Z, 3, Lingen : Luca, 1995,Maurice Harold Grant, Rachel Ruysch 1664-1750, Leigh-on-Sea : Lewis, 1956, .
- SimpleSearch2: MdbK Sammlung - Malerei / Plastik,MdbK Gemälde,G 1563,Stillleben mit Blumen und Früchten,Gemälde,Maximilian Speck von Sternburg Stiftung im Museum der bildenden Künste Leipzig,1707,1707,Bez. u. r.: Rachel Ruysch 1707,Ruysch, Rachel,Stillleben mit Blumen und Früchten,Still life with flowers and fruits ,Bez. u. r.: Rachel Ruysch 1707,G 1563,Niederländische Malerei 291,SpSt (1998) I/133,Öl auf Leinwand,Ein prächtiger Blumenstrauß mit Früchten auf einer Marmorkonsole bietet dem Auge eine Vielzahl verschiedenartiger Pflanzenspezies, Farben, Formen und Bewegungen. Durch die Dichte der Pflanzen in der Bildmitte ist von der Blumenvase kaum etwas zu sehen. Die Stengel der Pflanzen schießen wie in einer Explosion nach oben und zu den Seiten, um die Vitalkraft natürlichen Wachstums zu veranschaulichen. Die weißen, rosa, roten und blauen Blüten leuchten intensiv vor dem dunklen Grund, ein Effekt, den Ruysch von der älteren Stilllebenmalerei übernahm. Mehr als ihre Vorgänger integriert die Künstlerin grüne Blätter neben Blüten als Elemente des Blumenstilllebens. Darüber hinaus geht sie den Blattformen dezidiert nach und gibt die Verwölbungen, Blattränder, Verfärbungen oder Fraßspuren in grellem Licht wieder. Eine Raupe klettert über ein Blatt, das ihre Fraßspuren zeigt, neben löchrigen Haselnüssen krümmt sich eine Made, winzige Ameisen laufen über die bereits braunfleckige Haut von Pfirsichen und Aprikosen. Rachel Ruysch knüpft an die Farbenpracht und Eleganz der Blumen- und Früchtestillleben Jan Davidsz. de Heems, Abraham Mignons und ihres Lehrers Willem van Aelsts an. Dem Leipziger Bild nahe stehen Blumenstillleben der Ruysch in Detroit und Brüssel (beide 1704 datiert).(1) Gegenüber ihren Vorgängern steigerte Ruysch sowohl den Grad an naturalistischer Vergegenwärtigung als auch die künstlerische Raffinesse der Wiedergabe. Ihr mikroskopischer Blick war durch die botanischen und anatomischen Forschungen ihres Vaters Frederik Ruysch (1638–1731) beeinflusst, der als erster Direktor dem 1682 gegründeten Botanischen Garten in Amsterdam vorstand.(2) Er publizierte 1692 und 1697 den ersten Katalog seltener Pflanzen des Amsterdamer Botanischen Gartens. F. Ruysch übertrug die Gefäßlehre von tierischen Lebewesen auf das Pflanzenreich. Bei Rachel Ruysch scheinen die Blätter in verschiedenen Stadien der Metamorphose von Intaktheit, Frische und Verfall nicht in erster Linie als Vanitassymbole gemeint zu sein. Sie demonstrieren vielmehr die immanente Lebenskraft der Pflanzen, die durch Parasiten und Krankheiten beschädigt werden kann. Typisch für Rachel Ruysch ist auch das Motiv von zwei Libellen, deren kleiner Flugapparat präzise wiedergegeben ist. Durch ihren Bewegungsausdruck wird ein zeitlicher Aspekt beigesteuert. Die Aufmerksamkeit, die die Künstlerin kleinen und winzigen Lebewesen im Kosmos des Blumenstraußes widmet, bringt die im 18. Jahrhundert noch lebendige, wenngleich zunehmend rhetorische Vorstellung einer göttlichen Harmonie von Makro- und Mikrokosmos zum Ausdruck. Diese traditionelle Auffassung wurde noch in der Vorrede einer 1710 erschienenen Publikation ihres Vaters bemüht, um die naturwissenschaftlichen Untersuchungen und Beschreibungen der Tiere zu legitimieren, wo es heisst: „Gods wond’ren blinken meest op’t grootste in’t allerkleenste“ (Gottes Wunder leuchten meist vom Größten zum Kleinsten“).(3) <br class="linefeed" /><br class="linefeed" />Jan Nicolaisen<br class="linefeed" /><br class="linefeed" />(1) Detroit Institute of Arts, Inv.-Nr. 1995.67; Brüssel, Koninklijke Musea voor Schone Kunsten van België, Inv.-Nr. 2751. <br class="linefeed" /><br class="linefeed" />(2) Vgl. Berardi 1998, S. 110–134. <br class="linefeed" /><br class="linefeed" />(3) Vorrede zum „Thesaurus animalium“ des Frederik Ruysch, lateinisch mit Übersetzung ins Niederländische als „Cabinet der dieren“, erster Teil, Amsterdam 1710, o. S.,Slg.-Kat. Niederländische Malerei 1430-1800. Museum der bildenden Künste Leipzig. Unter Mitarbeit von Rüdiger Beck bei den gemäldetechnologischen Untersuchungen, hrsg. von Maximilian Speck von Sternburg Stiftung im Museum der bildenden Künste Leipzig, Leipzig: Seemann, 2012,Slg.-Kat. Maximilian Speck von Sternburg. Ein Europäer der Goethezeit als Kunstsammler, hrsg. von Herwig Guratzsch, Leipzig: Seemann, 1998, ,Marianne Berardi, Science into art. Rachel Ruysch's early development as a still-life painter, .,Erika Gemar-Koeltzsch, Holländische Stillebenmaler im 17. Jahrhundert. 3. L - Z, 3, Lingen : Luca, 1995,Maurice Harold Grant, Rachel Ruysch 1664-1750, Leigh-on-Sea : Lewis, 1956, .
- Type_S: MdbK Gemälde
- Type_S_multi_facet: MdbK Gemälde
- TypeKey_s: 028b0c5a-e0a5-4871-b261-0f31885c0fb6
- InventoryNumber_S: G 1563
- InventoryNumber_S_sort: G 1563
- InventoryNumberSearch_S: G 1563
- Title_S: Stillleben mit Blumen und Früchten
- Title_S_sort: Stillleben mit Blumen und Früchten
- Systematic_S: Gemälde
- Systematic_multi_facet: Gemälde
- Systematic_multi_facet_filter: Gemälde
- NumberOfObjects_S: 1
- Creditline_S: Maximilian Speck von Sternburg Stiftung im Museum der bildenden Künste Leipzig
- PurchaseNote_S: 1996 Dauerleihgabe der Maximilian Speck von Sternburg Stiftung, Leipzig
- Field_A01_028b0c5a-e0a5-4871-b261-0f31885c0fb6_S: Provenienz Englisch:<br class="linefeed" />1996 – today: Museum der bildenden Künste Leipzig, Maximilian Speck von Sternburg Foundation <br class="linefeed" />1996: Restitution <br class="linefeed" />1945: confiscation in the course of the land reform <br class="linefeed" />1889: listed in the catalog of the Speck von Sternburg collection, Lützschena [1]<br class="linefeed" />1840: listed in the catalog of the Speck von Sternburg collection, Lützschena [2]<br class="linefeed" />1819, around: aquired from the collection Graf Wilhelm Friedrichs von und zu Sickingen, Vienna [3]<br class="linefeed" /><br class="linefeed" />Quellen: <br class="linefeed" />[1] Verzeichnis von Ölgemälden, welche sich in der Freiherrliche Speck von Sternburgischen Sammlung auf dem Rittergute Lützschena bei Leipzig befinden. Leipzig 1889, p. 60, n. 110. <br class="linefeed" />[2] Verzeichnis der Gemäldesammlung des Freiherrn von Speck-Sternburg. Leipzig 1840, p. 56-57, n. 114.<br class="linefeed" />[3] Herwig Guratzsch (Hrsg.): Maximilian Speck von Sternburg. Ein Europäer der Goethezeit als Kunstsammler. Leipzig 1998, p. 355, n. I/133. <br class="linefeed" />
- Label_A01_028b0c5a-e0a5-4871-b261-0f31885c0fb6_s: Objektgesch. (intern)
- Field_A02_028b0c5a-e0a5-4871-b261-0f31885c0fb6_S: 1996 – heute: Museum der bildenden Künste Leipzig, Dauerleihgabe der Maximilian Speck von Sternburg Stiftung, Leipzig <br class="linefeed" />1996: Restitution an die Erbengemeinschaft Speck von Sternburg <br class="linefeed" />1952: Inventarisierung durch das MdbK<br class="linefeed" />1945 – 1952: Verwahrung durch das MdbK<br class="linefeed" />1945: Beschlagnahme der Sammlung Speck von Sternburg im Zuge der Bodenreform [1]<br class="linefeed" />bis 1945: Kunstsammlung der Familie Speck von Sternburg, Lützschena (Ortsteil von Leipzig) <br class="linefeed" /><br class="linefeed" />Quellen: <br class="linefeed" />[1] MdbK Archiv, Karton 145, Speck von Sternburg-Archiv: Schriftwechsel 1929-1964
- Label_A02_028b0c5a-e0a5-4871-b261-0f31885c0fb6_s: Provenienz (extern)
- Field_A03_028b0c5a-e0a5-4871-b261-0f31885c0fb6_S: Provenienzprüfung nicht notwendig,<br class="linefeed" />seit mind. 1840 Smlg. Speck von Sternburg<br class="linefeed" />Aus der Gräflichen Sickingschen Sammlung<br class="linefeed" /><br class="linefeed" />Weitere Hinweise zur Objektgeschichte: <br class="linefeed" />- 25.10.02 - 27.03.03 zur Rahmenrestaurierung bei Vergoldermeister Ole Teuber, Otterwisch<br class="linefeed" />- 16.09.05 - 16.01.06 zur KNK-Ausstellung in Bonn<br class="linefeed" /><br class="linefeed" />um 1819: erworben von Maximilian Speck von Sternburg aus der Sammlung Graf Wilhelm Friedrich von und zu Sickingen, Wien [1]<br class="linefeed" />1945: Beschlagnahme der Sammlung Speck von Sternburg im Kontext der Bodenreform [2]<br class="linefeed" />1996: Restitution an die Erbengemeinschaft <br class="linefeed" />1996 – heute: Museum der bildenden Künste Leipzig, Maximilian Speck von Sternburg Stiftung<br class="linefeed" /><br class="linefeed" />Quellen: <br class="linefeed" />[1] Herwig Guratzsch (Hrsg.): Maximilian Speck von Sternburg. Ein Europäer der Goethezeit als Kunstsammler. Leipzig 1998, S. 355, Nr. I/133; Sammlungskat. Verzeichnis von Ölgemälden, welche sich in der Freiherrliche Speck von Sternburgischen Sammlung auf dem Rittergute Lützschena bei Leipzig befinden. Leipzig 1889, S. 60, Nr. 110. <br class="linefeed" />[2] MdbK Archiv, Karton 145, Speck von Sternburg-Archiv: Schriftwechsel 1929-1964.
- Label_A03_028b0c5a-e0a5-4871-b261-0f31885c0fb6_s: Provenienz (intern)
- Label_A07_028b0c5a-e0a5-4871-b261-0f31885c0fb6_s: Bearbeitung
- Label_A08_028b0c5a-e0a5-4871-b261-0f31885c0fb6_s: Literatur (intern)
- Label_B01_028b0c5a-e0a5-4871-b261-0f31885c0fb6_s: Technol. Befund Rest.
- Label_B03_028b0c5a-e0a5-4871-b261-0f31885c0fb6_s: Rückseitenautopsie
- Dating_S: 1707
- Dating_zeit: 1707
- Dating_S2: 1707
- YearFrom_I: 1707
- YearTo_I: 1707
- Signatures_Search_S: Bez. u. r.: Rachel Ruysch 1707
- InventoryNumbers_Search_S: G 1563
- OtherNumbers_Search_S: Niederländische Malerei 291; SpSt (1998) I/133
- MaterialTechnique_Search_S: Öl auf Leinwand
- MTS_multi_facet: Öl auf Leinwand
- MTS_multi_facet2: Öl auf Leinwand
- Subjects_Search_S: Ruysch, Rachel
- Subjects_multi_facet: Ruysch, Rachel
- Subjects_multi_facet_filter: Ruysch, Rachel
- Literature_Search_S: Slg.-Kat. Niederländische Malerei 1430-1800. Museum der bildenden Künste Leipzig. Unter Mitarbeit von Rüdiger Beck bei den gemäldetechnologischen Untersuchungen, hrsg. von Maximilian Speck von Sternburg Stiftung im Museum der bildenden Künste Leipzig, Leipzig: Seemann, 2012; Slg.-Kat. Maximilian Speck von Sternburg. Ein Europäer der Goethezeit als Kunstsammler, hrsg. von Herwig Guratzsch, Leipzig: Seemann, 1998, ; Marianne Berardi, Science into art. Rachel Ruysch's early development as a still-life painter, .; Erika Gemar-Koeltzsch, Holländische Stillebenmaler im 17. Jahrhundert. 3. L - Z, 3, Lingen : Luca, 1995; Maurice Harold Grant, Rachel Ruysch 1664-1750, Leigh-on-Sea : Lewis, 1956, .
- lists_s: Titles,Signatures,GeographicReferences,InventoryNumbers,OtherNumbers,KeywordChain,MaterialTechnique,Dimensions,Dating,Texts,ObjectRelations,Subjects,Literature,Exhibitions,Uri,WebLinks,Media
- list_Titles_I: 2
- Titles_Type_0_S: Originaltitel
- Titles_Text_0_S: Stillleben mit Blumen und Früchten
- Titles_Type_1_S: Titel englisch
- Titles_Text_1_S: Still life with flowers and fruits
- list_Signatures_I: 1
- Signatures_Type_0_S: Ausgabe
- Signatures_Text_0_S: Bez. u. r.: Rachel Ruysch 1707
- list_GeographicReferences_I: 0
- list_InventoryNumbers_I: 1
- InventoryNumbers_Type_0_S: Inventar Nr. (aktuell)
- InventoryNumbers_Text_0_S: G 1563
- list_OtherNumbers_I: 2
- OtherNumbers_Type_0_S: Bestandskatalog
- OtherNumbers_Text_0_S: Niederländische Malerei 291
- OtherNumbers_Type_1_S: Bestandskatalog
- OtherNumbers_Text_1_S: SpSt (1998) I/133
- list_KeywordChain_I: 0
- list_MaterialTechnique_I: 2
- MaterialTechnique_Type_0_S: Material / Technik
- MaterialTechnique_Remark_0_S: Öl auf Leinwand
- MTR_multi_facet: Öl auf Leinwand
- MTR_multi_facet2: Öl auf Leinwand
- MaterialTechnique_Type_1_S: Technik
- MaterialTechnique_Text_1_S: Öl auf Leinwand
- MTL_multi_facet: Öl auf Leinwand
- MTL_multi_facet2: Öl auf Leinwand
- list_Dimensions_I: 1
- Dimensions_Type_0_S: Bildmaß
- Dimensions_Dimension_0_S: 99,5 x 78,8 cm
- list_Dating_I: 1
- Dating_Dating_0_S: 1707
- Dating_DayFrom_0_I: 1
- Dating_MonthFrom_0_I: 1
- Dating_YearFrom_0_I: 1707
- Dating_DayTo_0_I: 31
- Dating_MonthTo_0_I: 12
- Dating_YearTo_0_I: 1707
- list_Texts_I: 1
- Texts_Type_0_S: Onlinedatenbank Text deutsch
- Texts_Language_0_S: de
- Texts_LongText_0_S: Ein prächtiger Blumenstrauß mit Früchten auf einer Marmorkonsole bietet dem Auge eine Vielzahl verschiedenartiger Pflanzenspezies, Farben, Formen und Bewegungen. Durch die Dichte der Pflanzen in der Bildmitte ist von der Blumenvase kaum etwas zu sehen. Die Stengel der Pflanzen schießen wie in einer Explosion nach oben und zu den Seiten, um die Vitalkraft natürlichen Wachstums zu veranschaulichen. Die weißen, rosa, roten und blauen Blüten leuchten intensiv vor dem dunklen Grund, ein Effekt, den Ruysch von der älteren Stilllebenmalerei übernahm. Mehr als ihre Vorgänger integriert die Künstlerin grüne Blätter neben Blüten als Elemente des Blumenstilllebens. Darüber hinaus geht sie den Blattformen dezidiert nach und gibt die Verwölbungen, Blattränder, Verfärbungen oder Fraßspuren in grellem Licht wieder. Eine Raupe klettert über ein Blatt, das ihre Fraßspuren zeigt, neben löchrigen Haselnüssen krümmt sich eine Made, winzige Ameisen laufen über die bereits braunfleckige Haut von Pfirsichen und Aprikosen. Rachel Ruysch knüpft an die Farbenpracht und Eleganz der Blumen- und Früchtestillleben Jan Davidsz. de Heems, Abraham Mignons und ihres Lehrers Willem van Aelsts an. Dem Leipziger Bild nahe stehen Blumenstillleben der Ruysch in Detroit und Brüssel (beide 1704 datiert).(1) Gegenüber ihren Vorgängern steigerte Ruysch sowohl den Grad an naturalistischer Vergegenwärtigung als auch die künstlerische Raffinesse der Wiedergabe. Ihr mikroskopischer Blick war durch die botanischen und anatomischen Forschungen ihres Vaters Frederik Ruysch (1638–1731) beeinflusst, der als erster Direktor dem 1682 gegründeten Botanischen Garten in Amsterdam vorstand.(2) Er publizierte 1692 und 1697 den ersten Katalog seltener Pflanzen des Amsterdamer Botanischen Gartens. F. Ruysch übertrug die Gefäßlehre von tierischen Lebewesen auf das Pflanzenreich. Bei Rachel Ruysch scheinen die Blätter in verschiedenen Stadien der Metamorphose von Intaktheit, Frische und Verfall nicht in erster Linie als Vanitassymbole gemeint zu sein. Sie demonstrieren vielmehr die immanente Lebenskraft der Pflanzen, die durch Parasiten und Krankheiten beschädigt werden kann. Typisch für Rachel Ruysch ist auch das Motiv von zwei Libellen, deren kleiner Flugapparat präzise wiedergegeben ist. Durch ihren Bewegungsausdruck wird ein zeitlicher Aspekt beigesteuert. Die Aufmerksamkeit, die die Künstlerin kleinen und winzigen Lebewesen im Kosmos des Blumenstraußes widmet, bringt die im 18. Jahrhundert noch lebendige, wenngleich zunehmend rhetorische Vorstellung einer göttlichen Harmonie von Makro- und Mikrokosmos zum Ausdruck. Diese traditionelle Auffassung wurde noch in der Vorrede einer 1710 erschienenen Publikation ihres Vaters bemüht, um die naturwissenschaftlichen Untersuchungen und Beschreibungen der Tiere zu legitimieren, wo es heisst: „Gods wond’ren blinken meest op’t grootste in’t allerkleenste“ (Gottes Wunder leuchten meist vom Größten zum Kleinsten“).(3) <br class="linefeed" /><br class="linefeed" />Jan Nicolaisen<br class="linefeed" /><br class="linefeed" />(1) Detroit Institute of Arts, Inv.-Nr. 1995.67; Brüssel, Koninklijke Musea voor Schone Kunsten van België, Inv.-Nr. 2751. <br class="linefeed" /><br class="linefeed" />(2) Vgl. Berardi 1998, S. 110–134. <br class="linefeed" /><br class="linefeed" />(3) Vorrede zum „Thesaurus animalium“ des Frederik Ruysch, lateinisch mit Übersetzung ins Niederländische als „Cabinet der dieren“, erster Teil, Amsterdam 1710, o. S.
- list_ObjectRelations_I: 0
- list_Subjects_I: 1
- Subjects_Key_0_S: ec7452d0-09a1-4bbd-a6a7-bb8fe93c8717
- Subjects_Key_all_S: ec7452d0-09a1-4bbd-a6a7-bb8fe93c8717
- Subjects_Type_0_S: Person
- Subjects_Name_0_S: Ruysch
- Subjects_FirstName_0_S: Rachel
- Subjects_SortedName_0_S: Ruysch, Rachel
- FullNameSorted_S_sort: Ruysch, Rachel
- P_S_sort: Ruysch, Rachel
- Subjects_DatingType_0_S: Lebensdaten
- Subjects_Dating_0_S: 1664 - 1750
- Subjects_YearFrom_0_S: 1664
- Subjects_MonthFrom_0_S: 6
- Subjects_DayFrom_0_S: 3
- Subjects_YearTo_0_S: 1750
- Subjects_MonthTo_0_S: 8
- Subjects_DayTo_0_S: 12
- Subjects_GeoRefFrom_0_S: Den Haag
- Subjects_GeoRefTo_0_S: Amsterdam
- list_Literature_I: 5
- Literature_Publication_0_S: Slg.-Kat. Niederländische Malerei 1430-1800. Museum der bildenden Künste Leipzig. Unter Mitarbeit von Rüdiger Beck bei den gemäldetechnologischen Untersuchungen, hrsg. von Maximilian Speck von Sternburg Stiftung im Museum der bildenden Künste Leipzig, Leipzig: Seemann, 2012
- Literature_Mentioned_0_s: 274
- Literature_CatalogNumber_0_s: 291
- Literature_Publication_1_S: Slg.-Kat. Maximilian Speck von Sternburg. Ein Europäer der Goethezeit als Kunstsammler, hrsg. von Herwig Guratzsch, Leipzig: Seemann, 1998,
- Literature_CatalogNumber_1_s: 133
- Literature_Publication_2_S: Marianne Berardi, Science into art. Rachel Ruysch's early development as a still-life painter, .
- Literature_Mentioned_2_s: 390
- Literature_Publication_3_S: Erika Gemar-Koeltzsch, Holländische Stillebenmaler im 17. Jahrhundert. 3. L - Z, 3, Lingen : Luca, 1995
- Literature_CatalogNumber_3_s: 340
- Literature_Publication_4_S: Maurice Harold Grant, Rachel Ruysch 1664-1750, Leigh-on-Sea : Lewis, 1956, .
- Literature_CatalogNumber_4_s: 16
- list_Exhibitions_I: 0
- list_Uri_I: 0
- list_WebLinks_I: 0
- list_Media_I: 1
- Media_Key_0_s: 607896e4-0dad-46d1-9498-73c57d547957
- Media_Type_0_S: Bild
- Media_License_0_S: CC BY-NC-ND
- Media_Creator_0_S: InGestalt/Michael Ehritt
- Media_Copyright_0_S: Museum der bildenden Künste Leipzig, Foto: InGestalt/Michael Ehritt, Lizenz: CC BY-NC-ND
- _version_: 1876884806058377200