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Roxana Rios,  
Bildnis eines Bräutigams, İrem und Clara (Detail) - Intervention, 2026

 

In der Adaption des spätmittelalterlichen Eheporträts, bestehend aus zwei getrennten Tafeln, bricht Roxana Rios erstmals in der Reihe Ode to Eris mit der Strategie, die Posen der Vor-Bilder zu übernehmen oder nur subtil, wenngleich effektiv, zu verändern.

Die im 16. Jahrhundert typische Form des Ehebildnisses diente der Dokumentation von Herkunft und Familienstand. Der Nelkenkranz auf dem Kopf des jungen Mannes zeichnet ihn als Bräutigam aus. Gleichzeitig betont die Darstellungsweise den hierarchischen Unterschied zwischen den Eheleuten. Während sich der Bräutigam in selbstbewusster Attitüde mit Schwert und Degen als Zeichen seines Adelsstandes zeigt, blickt die Braut zurückhaltend zu ihm hinüber.

Das lesbische Paar in Roxana Rios‘ Fotografie tritt, anders als auf den Vor-Bildern, in ein und demselben Bildraum auf. Die beiden Personen sind in einer Umarmung, gleichwertig als untrennbare Einheit dargestellt. Die Intimität des Moments steht im Vordergrund. Absichtlich dreht sich das Paar von den Betrachter*innen weg und entzieht sich damit heteronormativen gazes (engl. Blicke, Blickregime). Das Doppelporträt soll zudem die „Rolle und Relevanz von Lesben innerhalb der queeren Bewegung [hervorheben]“ (Rios) und auf ihr zentrales Engagement innerhalb der queeren Bewegungen hinweisen.

Text: Anne Richter, Philipp Freytag
Kuratiert von: Philipp Freytag

Material/Technik Farbfotografie auf Dibond

Maße 74,67 x 56 cm (Bildmaß)