Objektabbildung zoomen

Aert van der Neer,  
Winterlandschaft mit Schlittschuhläufern, um 1660

 

Auf einer weiten Eisfläche vergnügen sich zahlreiche Männer, Frauen und Kinder auf Schlittschuhen, Schlitten und beim Kolfspiel.(1) Spaziergänger und Menschen im Gespräch sind im Vordergrund zu Gruppen versammelt. Am Rand der zugefrorenen Wasserfläche stehen kahle, hohe Bäume, im Hintergrund liegt eine Stadt mit verschneiten Häuserdächern, einem markanten Kirch- und einem Bastionsturm. Der Himmel, der rund Zweidrittel der Bildfläche einnimmt, ist durch die untergehende Sonne rötlich verfärbt. Winterlandschaften nehmen einen beträchtlichen Anteil im Schaffen des produktiven Künstlers ein.(2) Die früheste Winterlandschaft van der Neers stammt nach Schulz (2002, S. 84) aus dem Jahr 1642. Dem Leipziger Bild sind die Winterlandschaften Van der Neers in Amsterdam (Rijksmuseum, Inv.-Nr. SK-C-191) und Winterthur (Slg. Reinhart) stilistisch verwandt, von Schulz um 1655 datiert. Bemerkenswert ist die über Staffagefiguren hinausgehende Eigenständigkeit, die der Künstler den Menschen durch ihre Größe und farbenfrohe, detaillierte Ausführung verleiht. Auch den Widerschein des Lichts auf Gesichtern und Kleidung arbeitet er differenziert und kontrastreich heraus. Vor allem die Figuren im Vordergrund heben sich leuchtend vom Graublau der Eisfläche ab. Besondere Aufmerksamkeit widmet Van der Neer der Wiedergabe des indirekten Lichts: Der Widerschein der untergehenden Sonne zeigt sich in den zartrosa verfärbten Wolken über der Stadt und der rötlichen Verfärbung der Baumrinden im Vordergrund. Das Licht des Winternachmittags reicht aus, um viele Spiegelungen auf der Eisfläche zu bewirken. Aert van der Neer unterschiedet sich durch den perspektivischen Bildaufbau, den Überschaucharakter, das helle Kolorit und die Vielzahl der Figuren von den moderneren Winterlandschaften Jan van de Cappelles und Jacob van Ruisdaels, die Winterbilder mit düsteren Stimmungen aus einem niedrigeren Blickwinkel malen. Van der Neer knüpft damit an die Traditon niederländischer Winterlandschaften von Hendrick Avercamp (1585–1634) an. Was ihn wiederum mit Ruisdael und Cappelle verbindet, ist sein ausgeprägtes Interesse an der Wiedergabe des winterlichen Lichts als eigentlichem Sujet.

Jan Nicolaisen

(1) Das Kolfspiel, bei dem mit einer Art Golfschläger Bälle auf möglichst weite Entfernung oder Zielpunkte geschlagen wurden, war in Holland im 17. Jahrhundert als Winterspaß äußerst populär.
(2) Immerhin listet Schulz 2002 neben 1202 Mondscheinlandschaften 244 Winterlandschaften auf.

Systematik Gemälde

Material/Technik Öl auf Leinwand

Maße 66,3 x 78,9 cm (Bildmaß)

Erwerbung 1996 Dauerleihgabe der Maximilian Speck von Sternburg Stiftung, Leipzig

Inventar-Nr. G 1569